Freitag, 26. Februar 2021

Leseprobe: 4 Kapitel von Like a Butterfly

 


Kapitel 1

… deshalb laden wir Sie Herzlich ein, uns in unserem Studio zu Besuchen und unsere Moderatoren kennenzulernen.

Melissa hatte nun schon das zehnte Mal diesen Brief gelesen und konnte es immer noch nicht fassen. Wieso? Wieso hatte ihre beste Freundin das nur getan? Vor dem Frühstück hatte der Briefträger bei Melissa geklingelt und ihr ein Einschreiben überreicht. Leicht irritiert über den Absender, hatte sie sich damit in die Küche gesetzt und sich einen Kaffee eingeschenkt. FamilyTV Productions South Carolina. Was zum Henker wollte ein TV-Sender von ihr? Sie war erst seit etwas über einem Jahr in Amerika und außer ihrer besten Freundin und ihren Arbeitskollegen, kannte sie hier niemanden.

Mit einem großen Schluck Koffein intus, las sie den Brief und verfiel in eine Schockstarre. Kate, ihre beste Freundin, hatte sie bei einer der neuen Shows angemeldet.

Lost your Weight, be a new one!

Ja sie war übergewichtig und ja es nervte sie, aber wie konnte ihre vermeidlich beste Freundin, sie nur in einem TV-Format anmelden? Öffentlich vor Millionen von Menschen zeigen, wie sie wirklich aussah. Seit dem Tod ihrer Mutter vor fünf Jahren war sie allein. Keine Familie, keine Kinder und keinen Partner. Ihre beste Freundin, war kurz nach dem Tod nach Amerika ausgewandert, da sie dort ihren Mann geheiratet und ihren neuen Job angefangen hatte. Irgendwnn, als Melissa mit Kate geskypet hatte, bot sie ihr an, nach Amerika zu kommen. Der Job wäre wie für sie gemacht und sie musste einfach aus ihrem Umfeld raus, sonst würde sie sich noch weiter ins Unglück ‚fressen‘! Nun saß sie mit diesem Brief in ihren zittrigen Händen am Esstisch, in ihrem kleinen Appartement und spürte, wie die Tränen an ihren Wangen, zäh wie Honig, hinunterliefen. Ihr Blick verschwamm und die Buchstaben, auf dem festen Papier, waren nicht mehr zu erkennen. Sie schloss für einen Moment die Augen und sah sich vor einem Spiegel stehen. Sie konnte es nicht ertragen, was sie aus sich gemacht hatte, wie sie sich hatte gehen lassen. Das Zittern löste den Brief aus ihren Händen, welcher gen Boden segelte. Das Schluchzen ließ alle Dämme brechen und die Tränen strömten nur so aus ihren Augen. In ihrem inneren kämpften die Gefühle miteinander. Die Wut auf Kate, der Selbsthass, dass Leid und die Trauer. Nur für einen Moment hatte sie sich diesen Gefühlen hingegeben, ehe sie die kraft dazu hatte, den Brief aufzuheben und in ihre Tasche zu stecken. Und wie so oft, wenn es ihr nicht gut ging, überlegte sie, was sie tun sollte. Ein scharfer Blick auf das Smartphone wurde von einem sanften, Richtung Kühlschrank abgelöst. Wie sollte es auch anders sein? Wie jedes verdammte Mal, gewann das Essen. Statt ihrer Freundin die Meinung zu sagen, holte sie sich ihre Nervennahrung.

Nutella, Butter und frische, deutsche Brötchen, die sie für das Frühstück geholt hatte. Sie musste noch einkaufen gehen, denn das würde definitiv nicht helfen, da mussten noch Chips und Süßigkeiten her! Zwei Nutella Brötchen später, bereute sie, nur zwei gekauft zu haben. Dann wechselte das Gefühl in Selbsthass. Zum Glück hatte sie nur zwei gekauft! Warum musste das jetzt nur wieder passieren? Warum hatte sie sich erneut so gehen lassen? Ihr ging es, kaum dass der Nuss Nougat Geschmack vergangen war, kein Deut besser, ganz im Gegenteil, sie fühlte sich hundsmiserabel! Erneut stiegen tränen in ihr hinauf. Sie war Fett! Sie war keine schöne Frau und würde niemals einen Partner finden, der sie glücklich machte und mit dem sie eine Familie gründen würde. Warum konnte sie diesen Heißhunger nicht stoppen? Warum glaubte sie, nach allem was sie nun schon selbst wusste, immer noch, dass es ihr besser gehen würde, wenn sie aß? Vor ihrer Abreise hatte sie sich geschworen, in dem neuen Land, ein neues Leben zu starten. Ernährung umstellen und endlich abnehmen! Ob gerade Amerika da die passende Wahl war, ließ sie Mal dahingestellt. Nach der Beerdigung ihrer Mutter hatte sie immer mehr zugenommen. Nie war sie schlank, aber sie hatte zumindest eine Figur. Jetzt war sie nur noch ein Klops! Ihr Gewicht war dreistellig geworden und in ihrem ersten Jahr in den USA, hatte sie 15 Kilo verloren. Sie war stolz darauf, ernährte sich eigentlich auch die meiste Zeit gesund. Gemüse, Salate, weißes Fleisch und wenig Zucker. Dennoch lagen diese Kilos wie ein Mantel um sie herum.

Gott sei Dank war sie groß, da waren die über hundert Kilo damals nicht so ins Auge gestochen, wie die 126 Kg, die sie jetzt mit sich herumschleppte.

Sie stand vor ihrem Spiegel und drückte mit den Händen, den Bauch in alle Richtungen. Sie war verzweifelt, darüber, wie sie aussah, was sie sich angetan hatte und dass sie einfach nicht stark genug war, zu kämpfen. Ihre Beine waren okay, sie mochte ihre Beine. Aber der Bauch und der Rücken, es war furchtbar! Für ein Besuch im Fitnessstudio war sie zu feige. Sie wollte sich niemandem so zeigen, vor anderen schwitzen wie ein Schwein und das Fett, das jeder sehen konnte, sollte eben nicht jeder sehen! Sie machte sich nur etwas vor, wenn sie glaubte, ihre Zeltähnlichen Kleidungsstücke, würden die Speckrollen verdecken. Jeder sah es und jeder wusste es. Und doch, sie konnte es einfach nicht. Und nun sollte sie damit ins Fernsehen? Niemals!

Sie quetschte sich in ihre Jeans, die dank breitem Bund handbreit über dem Bauchnabel reichte und somit oben blieb. Ein Sport BH, alles andere war zu klein oder zu eng, für die erschlafften D-Körbchen und den extremen Umfang.

Ein schwarzes T-Shirt und Turnschuhe, fertig! Schminken brachte nichts, sie würde es eh wegschwitzen. Ihre Haare, dünn und schlaff, band sie in einen Knoten. Statt Brille nutzte sie normalerweise Kontaktlinsen, aber jetzt musste sie Einkaufen, dringend! Also Sonnenbrille in Sehstärke auf die Nase und ab dafür.

Im Markt quälte sie sich durch die Regale. Sie wollte gesund einkaufen, an den Süßen und Salzigen Leckereien vorbeigehen, aber sie war schwach. Neben Gemüse, Salat, Obst und Geflügel, landeten Chips und diverse Schokoladen Sorten in ihrem Wagen. Zum Glück trank sie nur Wasser und ab und zu, zum Essen Zero Getränke, sonst würde dieses Wochenende, alles zunichtemachen, was sie sich in dem vergangenen Jahr erarbeitet hatte.


Mit vollem Mund saß sie auf ihrer Couch und sah sich Bridget Jones an. Die Chips waren schnell gegessen und die Schokolade kämpfte auch nicht dagegen an, in ihrem Mund zu verschwinden. Ihr wurde schlecht und endlich sah sie, was sie getan hatte. Ihre Vorräte, die sie für diesen Monat gekauft hatte, sie lagen als leeres Papier um sie herum. Warum heulte sie denn jetzt? Sie war doch selbst schuld! Schwach! Sie war einfach nur schwach und würde es nie schaffen, ihr Wohlfühlgewicht zu bekommen. Ein Gewicht, das nicht lebensgefährlich war, dass ihren Rücken und ihre Knie in Mitleidenschaft ziehen würde. Da war sie wieder, die Wut auf sich selbst. Eilig schnappte sie die Folien und stopfte sie in die leere Einkaufstüte. Es schepperte, als sie den Mülleimer zuknallte und das Schnaufen aus ihrem Mund wurde stärker. So konnte es einfach nicht weitergehen! Sie musste etwas machen, und zwar jetzt! Sie holte den Brief aus ihrer Handtasche und las erneut.

Sehr geehrte Miss Keller,

herzlichen Glückwunsch! Die Bewerbung Ihrer Freundin Kate Brown für Sie hat uns überzeugt! Wir möchten Sie und Ihre Geschichte gerne in unserer Serie Vorstellen und Sie ein Jahr dabei begleiten, wie Sie sich in einen neuen Menschen verwandeln.

Wir haben für Sie bekannte Ernährungsberater, Ärzte und Sportler zur Unterstützung und als wichtige Ansprechpartner, die sich schon sehr auf Sie freuen. Sie werden mit Ihnen eine Vorabuntersuchung machen, Sie Beraten und einen Plan erstellen. In abgesprochenen Zeiträumen werden wir mit einem Filmteam vor Ort sein und dokumentieren, was Sie tun und wie es Ihnen geht. Die restliche Zeit wird von Ihrem „Team“ zusammengestellt.

Keine Angst, alle kosten werden von uns übernommen, daher wäre es schön, wenn Sie sich noch heute bei uns melden, um mit uns einen Termin abzusprechen. Das Kennenlernen findet in Philadelphia statt. Dort wird Ihnen alles weitere erklärt. Sie bekommen einen Vertrag und können uns Ihre Fragen stellen. Deshalb laden wir Sie Herzlich ein, uns in unserem Studio zu Besuchen und auch unsere Moderatoren kennenzulernen.

Mit freundlichem Gruß

Jenna Clark

Betreuung und Organisation.

Im Briefkopf lachten ihr die Telefonnummer und E-Mail-Adresse entgegen. Es war Samstag und mit Sicherheit niemand mehr zu erreichen, weshalb sie einfach schnell eine Antwort per E-Mail schrieb und einem treffen zusagte. Sich treffen hieß nicht, dass der Vertrag unterschrieben würde.

Sie wollte sich anhören, was sie ihr boten und wie der Ablauf nun genau war. Kaum das die E-Mail verschickt war, schrieb Kate eine Nachricht. Oh, wie wunderbar passte dies gerade zu ihrer Laune.

>> Hey Mel, wie gehts? Zeit für einen Filmabend? Mark ist auf einem Junggesellen Abschied, der wird heute nicht mehr auftauchen. <<

>> Trifft sich gut, wir beide haben sowieso etwas zu klären! <<

Innerlich freute sie sich gerade, denn Kate würde nun überlegen und vor schlechtem Gewissen nicht wissen, was sie als Erstes tun sollte.

>> Was ist denn los? <<

>> Das sage ich dir Persönlich! Ich mache jetzt meinen Haushalt, gegen 18:30 Uhr mit Film bei mir. <<

Damit ließ sie ihr Smartphone auf dem Schrank liegen und schmiss sich in eine kurze Hose, um ihre Wohnung sauberzumachen. Zu lauter Musik, wischte sie Staub, saugte und putzte den Boden. Sie räumte sogar ihren Schreibtisch auf. Schon nach kurzer Zeit, war sie geschwitzt und die Tropfen fielen ihr von der Stirn, dem Kinn und rannen an ihren Haaren hinunter. Sie hasste es. Das war definitiv ein Grund, in kein Studio zu gehen oder sich anderen beim Sport zu zeigen. Abgesehen davon, dass sie sich kaum bewegen und somit die Übungen kaum machen konnte, war dieses Schwitzen einfach nur eklig und peinlich.

Kate war überpünktlich und auch leicht nervös. Melissa hatte sich in ein weites Trägertop und eine Leggins gesteckt, was für einen Abend auf der Couch, das bequemste überhaupt war.

„Sagst du mir, was ich verbrochen habe oder lässt du mich noch länger leiden?“

Die kleine blonde war sichtlich nervös. Immer wieder fuhr sie sich mit den Fingern, durch die hellblond gefärbten Wellen und kaute an ihrer Lippe herum. Kate war zwar klein, aber ihr Mundwerk umso größer. Es war ihr nie etwas peinlich oder unangenehm. Sie hatte sogar durchgesetzt, dass sie ihre tätowierten Arme bei Konferenzen und Kundengesprächen zeigen durfte, wenn es das Wetter nicht vermeiden ließ.

Sie waren schon viele Jahre befreundet und sie war immer ehrlich zu ihr gewesen, auch und gerade wegen ihrer Figur und dem, was daraus resultieren konnte. Sie akzeptierte Melissa, wie sie war, sie hatte nur Angst um sie und sie wusste, wie sehr die größere von beiden darunter litt.

„Ich werde es dir zeigen und dann hoffentlich eine Erklärung von dir bekommen.“ Mit Schwung hievte sich Melissa hoch und holte unter den neugierigen Augen ihrer Freundin, dass Schreiben von ihrem Schreibtisch. Kate wurde leicht weiß um die Nase, als sie sah, dass Mel einen Brief in der Hand hielt. Eine Befürchtung, was es sein konnte, hatte sie. „Das hat mir der Briefträger heute Morgen gebracht. Interessant!“

Mit einem bösen Blick hielt sie Kate das Schriftstück unter die Nase. Schon der Briefkopf bestätigte ihre Vorahnung. Ein Lächeln legte sich dann allerdings auf ihr Gesicht, als sie ihn las. „Hey, das ist großartig!“ Melissa fiel alles aus dem Gesicht. Wie konnte sie sich darüber auch noch freuen? „Du lachst? Was zum Teufel hat dich da geritten? Normalerweise könnte ich dich dafür aus dem Land jagen! Wie konntest du nur?“ Kate legte den Brief gefaltet auf den Tisch, nahm einen Schluck aus ihrer Bierflasche und legte sich in aller Ruhe auf der Couch zurück in die Lehne. „Was Besseres konnte dir nicht passieren! Hast du dir diese Sendung mal angesehen?“ Melissa schüttelte den Kopf. „Nein habe ich nicht! Niemals würde ich ins Fernsehen gehen und jedem meinen Körper zeigen!“ Kate prustete Luft aus und zog die Augenbrauen nach oben. „Mel, ich bitte dich, du zeigst dich jeden Tag auf der Straße und auf der Arbeit. Du führst Kundengespräche, hältst Vorträge und nun willst du mir damit kommen, dass du dich anderen nicht zeigen willst?“ Nun wurde Melissa sauer. Dass ihre Freundin sich gerade so oberflächlich zeigte, verletzte sie. „Da stehe ich nicht in meinen Alltagsklamotten rum, da werden Vorher/Nachher Bilder gemacht, da stehe ich auf einer Waage und muss für die Untersuchung einen Belastungstest machen. Sport BH und Trainingshose! Jeder wird sehen, was ich selbst nicht sehen will! Und du, die sich als meine beste Freundin ausgibt, die selbst keinerlei Probleme mit ihrer Figur hat, will mich nun vorführen? Vergiss es!“ Aufgebracht riss sie sich aus dem Sessel und verschwand in der Küche. Die Tränen schossen ihr aus den Augen und das konnte in diesem Moment nur ein Stück Schokolade richten. Wild durchsuchte sie ihre Schubladen und Schränke, aber nichts war zu finden, hatte sie es doch bei ihrem Anfall vorhin aufgegessen. Zielstrebig schnappte sie sich einen langen Eislöffel und öffnete das Schraubglas der Nuss Nougat Creme.

„Genau deswegen habe ich es getan!“ Kates Stimme schreckte Melissa hoch. „Waff?“ „Jedes Mal, wenn du Stress hast, traurig oder einsam bist, schaufelst du dir das Essen rein und hoffst, dass es dir danach besser geht. Tut es aber nicht!“ „Und woher willst du das Wissen?“, trotzig drehte sich Melissa weg. „Weil du mich danach weinend anrufst oder ich es dir ansehe! Wir kennen uns schon so lange und ich habe all die Veränderungen miterleben müssen, dein Leid gesehen und deine Träume platzen hören. Du wünschst dir eine Familie und Zufriedenheit mit und in deinem Körper. Aber allein wirst du das niemals schaffen! Die Menschen, die du dort an die Seite bekommst, sind Profis. Sie werden dir helfen, dich Unterstützen und auch Mal in den Hintern treten, wenn der Schweinehund dich überredet hat, etwas zu tun, was falsch wäre. Du musst nur den ersten Schritt tun!“ Melissa stellte das Glas zur Seite und leerte die Hälfte einer kleinen Wasserflasche. Ohne etwas zu sagen, holte sie ihr Telefon, das noch immer auf dem Schrank lag und öffnete ihren E-Mail Account. Doch ehe sie Kate, die E-Mail zeigen konnte, die sie geschrieben hatte, entdeckte sie, dass sie eine Antwort von Jenna bekommen hatte.

Hallo Melissa,

vielen Dank für deine schnelle Antwort. Wir freuen uns sehr, dass du dich dazu entschlossen hast, uns kennenzulernen. Wir werden dir alle nötigen Unterlagen zuschicken, plus Flugticket und Buchungsbestätigung des Hotels.  Wir werden all deine Fragen beantworten und du wirst unser Team kennenlernen. Leider wird unser Trainer nicht dabei sein, da er Termine abarbeiten muss, um dann viel Zeit für dich zu haben.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und bis bald

Jenna Clark

„Alles okay?“ Kate legte ihre Hand auf Mels Schulter und versuchte, in deren Blicken zu lesen. „Ja, alles ok. Ich wollte dir nur etwas zeigen, aber da kam gerade die Antwort.“

Sie hielt Kate das Telefon hin und wartete auf die Reaktion, die sich schon vor ihrem inneren Augen abspielte. „Das… Das ist doch großartig! Warum erschreckst du mich denn so, wenn du es doch vorhattest?“ „Ganz einfach Kate, du hast, ohne zu fragen etwas getan, das Charakterlich, unterste Schublade ist. Du hättest mit mir reden sollen! Das hat bei mir heute Morgen einen Fressflash ausgelöst, weißt du wie es mir danach ging? Wie schlimm das für mich ist? Du hast keine Ahnung davon, wie es ist, in so einem Körper zu stecken, du hast keine Essstörung, kein schlechtes Gewissen, keinen Selbsthass! Du bist normal.“ Melissa rempelte Kate etwas an, als sie an ihr vorbei zurück ins Wohnzimmer rannte. „Ich habe meine eigenen Probleme und kann tatsächlich nicht wissen, wie es dir geht ja, aber ich wollte und will, dir aus der Sache helfen. Und damit hast du die Chance! Sie haben Therapeuten, Trainer und Berater. Ich glaube, der Sportler ist nicht unbekannt und der Ernährungsberater arbeitet mit vielen Stars und TV-Formaten zusammen. Der Arzt ist auch bekannt, er hat eine Praxis für Adipositas Patienten, die an seinem Programm teilnehmen und er macht Magen OPs.“ Melissa riss die Augen auf. „Magen OPs? Aber nicht für mich!“ „Nein keine Angst, bei dir geht es darum, die Ernährung auf dich Abzustimmen, ein personalisiertes Sport Programm, das der Trainer oder Sportler, keine Ahnung wer es ist, mit dir zusammen macht. Soviel ich weiß, wirst du vier Wochen in seinem Studio trainieren und danach wieder zu Hause, wo er dich dann ab und zu besucht. Wahlweise kannst du aber auch für ein Jahr dort eine Wohnung anmieten und das Studio nutzen.“ „Kannst du mir Mal verraten, wie ich das mit der Arbeit machen soll? Ich bin erst seit einem Jahr fest dabei und soll dann einfach Mal für ein Jahr auf Home-Office umsteigen, weil ich in die Nähe von meinem Trainer, den ich nicht Mal kenne, ziehen soll? Jetzt drehst du aber ganz durch!“ Kate fing an zu lachen. „Natürlich nicht, wir warten erst Mal, wer das Sein wird und wo das Studio dann ist. Vielleicht haben wir da auch ein Büro in der Nähe. Wenn nicht, hört sich Home-Office auch nicht ganz verkehrt an.

1-2 Mal im Monat kommst du zu den Meetings, den Rest machst du am Computer. Die meisten Kunden kann ich übernehmen und andere triffst du einfach vor Ort, dann haben die den Anreiseweg gespart. Lass doch erst Mal alles auf dich zukommen!“

Auf den Film konnte sich Melissa schon nicht mehr wirklich konzentrieren, immer wieder ging ihr dieses Abenteuer durch den Kopf, auf das sie sich, so blöd wie sie war, eingelassen hatte. Kate blieb das natürlich nicht verborgen. Sie schaltete den Film aus und sah sie an. Melissa hatte nicht Mal gemerkt, dass sie auf ein schwarzes Bild sah. Total in Gedanken, biss sie sich auf dem Daumennagel herum. „Sag Mal, was geht dir denn durch den Kopf? Teil deine Sorgen mit mir.“ Ein leichtes Augenflattern, kündigte die Rückkehr der Träumerin an. Sie blinzelte kurz und wandte sich dann ihrer Freundin zu. „Es geht mir nicht Mal um das, was auf mich zu kommt, sondern eher, wer! Ich weiß was bei der Ernährung auf mich zukommt. Ich weiß auch, dass ich Sport machen muss, bis zum Erbrechen, aber ich weiß nicht, wie die Menschen sein werden, die sie mir an die Seite stellen. Du weißt, wie ich damit umgehen kann, wenn man mich anschreit!“ Kate prustete amüsiert los. „Ja das weiß ich, du schreist zurück und wirst biestig!“ Sie sahen sich kichernd an. „Ich möchte einfach, das wenn ich mich schon zum Idioten mache, dass man mir so entgegenkommt, wie ich es brauche, man mir hilft und versteht. Diese arroganten Trainer, wie man sie hier überall findet, bewirken bei mir eher das Gegenteil!“ „Mel, ich habe keine Ahnung, es gab viele verschiedene Betreuende Personen in den folgen und diesmal wird es zwei neue geben. Ich hoffe du erfährst es in Philly!“

Der Morgen fing anders an als gewöhnlich. Melissa stand nicht erst um 10 Uhr auf, sondern wie jeden Tag um 7 Uhr. Sie spazierte zum Bäcker, kaufte sich dort ein Vollkornbrötchen und Karottenbrot. Gerade wegen diesem Bäcker, liebte sie diese Gegend. Ein Deutscher Bäcker war selten, aber sein Laden brummte, denn auch die Amerikaner, lernten ein gutes Brot zu lieben. Das war einfach besser als das ständige Weißbrot. „Du Peter, machst du auch Brot und Brötchen, nach Wunsch? Ich brauche Eiweißbrot und Ketogene, ohne normalem Mehl. Das bekommt man nicht und wenn, dann nicht ohne Zucker und selbst machen, wäre eine Katastrophe!“ „Ich backe auch auf Wunsch, sag mir nur für welchen Zeitraum und du hast beides.“ „Derzeit Sonntag, würde es allerdings auch schon Samstag abholen.“ Der große dunkelhaarige Bäcker notierte sich ihren Wunsch und steckte ihn ein. „Ich werde meinen Burschen Beine machen und dann hast du am Samstag das erste Mal welche. Den Rest verkaufe ich sicherlich auch an meine anderen Kunden.“ „Ich danke dir!“ Melissa strahlte und schnappte sich ihr Frühstück. Ausnahmsweise lief sie die große Runde bis nach Hause. Wenn sie etwas ändern wollte, dann musste das jetzt sein und nicht erst irgendwann.

Kapitel 2

Ein kräftiger und Pulsierender Druck auf ihre Brust, verriet Melissa, dass sie nicht mehr weit weg von ihrem Ziel war.

Am Flughafen wurde sie von einem Wagen abgeholt, mit dabei, ein Fernsehteam. War ja irgendwie klar. Sie fragten sie um Erlaubnis sie zu Filmen, um das Eintreffen nicht später noch einmal nachdrehen zu müssen. Unangenehm war es ihr definitiv, aber wenn sie das Durchziehen würde, wären diese Leute, ständig um sie herum, also warum nicht gleich?

Sie unterschrieb die Einverständniserklärung, nachdem sie diese gelesen hatte und stieg in den dunklen Wagen.
„Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie es sein wird?“ Eine kleine rothaarige Mitarbeiterin sah sie freundlich an. Melissa spürte ein feines Zittern in ihren Händen und presste die Finger fest ineinander. „Nein, nicht wirklich. Ich möchte mir das Konzept genauer erklären lassen und was ich tun muss, ehe ich mich da mental komplett darauf einlasse.“

Die Augen ihres Gegenübers strahlten. Verständnisvoll nickte sie und machte sich Notizen. „Werde ich immer und überall gefilmt?“ Melissas Pupillen weiteten sich, sie hoffte auf eine zufriedenstellende Antwort. „Nun, wir werden immer wieder Mal beim Sport dabei sein, das haben wir für einen Tag im Monat festgelegt. Die Vorstellung, Untersuchung und die Gespräche, werden alle gefilmt, später allerdings berechtigterweise geschnitten.“ In Mels Hals wuchs ein Kloß, das war eine Menge. „Werde ich mich öffentlich Wiegen müssen?“ Das Team hörte die Unsicherheit und das Zittern in der Stimme. Einer der Männer, die den Kameramann unterstützten, legte seine Hand auf ihre. „Ja, mindestens 4 Mal. Die Ärzte werden dich bei der Untersuchung Wiegen, für den Vorher/nachher Vergleich und um das Programm auf dich abzustimmen. Dein Trainer wird dich auch darum bitten, damit er ebenfalls die Werte hat und das Training auf dich abstimmen kann. Dann wird es nach sechs Monaten ein Wiegen geben, um das Zwischenergebnis zu erfahren, da findet auch noch einmal eine große Untersuchung statt. Und dann am Ende des Jahres, für das Endergebnis!“
Der Blonde hielt weiterhin ihre Hand, um sie zu beruhigen.

Er hatte sie einfach mit Du angesprochen, aber das war okay, so fühlte sie sich irgendwie besser. Zögernd schoben sich ihre Mundwinkel nach oben. Aber wirklich glücklich war sie damit nicht.
Vor einem Bürogebäude hielt der Wagen an und Melissa wurde mit laufender Kamera durch die Glastür begleitet.

Es war ein sehr großer, heller Raum, mit Sitzgelegenheiten, einem Empfang mit zwei Mitarbeiterinnen und vielen Pflanzen und Blumengebilden. Auf der rechten Seite befand sich der Fahrstuhl, aus dem gerade mehrere Leute ausstiegen. Ein hochgewachsener Mann, mit schwarzen Haaren, dunklen Augen und einem netten Lächeln auf den Lippen. Neben ihm lief eine etwas kleinere, blonde Frau, auf hohen Absetzten, einer weißen Hose, weißem Blazer und pinkem Seiden Top. Sie hatte leicht rosa gefärbte Lippen, dezent geschminkte Augen und großwellige lange Haare. Sie unterhielten sich angeregt und lachten miteinander. Hinter ihnen tauchte eine kleine, quirlig wirkende Frau auf, die Telefonierte und die Arme mit Papieren beladen hatte. Melissa konnte nicht verstehen, was sie sagte, aber es schien, als wäre sie arg im Stress. Kaum hatte die Blond gesträhnte, Melissa entdeckt, lächelte sie und schien erleichterter als noch Sekunden zuvor.
„Hallo Melissa? Ich bin Jenna, wir haben geschrieben.“ Sie reichte Melissa die Hand. Kurz wischte Mel ihre Hand an ihrer Jeans ab, sie befürchtete feuchte Hände vor Aufregung. „Hallo Jenna, schön dich kennenzulernen.“ „Keine Angst, wir sind alle ganz nett, wir beißen nicht!“, zwinkerte Jenna und steckte ihr Telefon in die Hosentasche. „Darf ich dir unsere Moderatoren vorstellen? Sie werden dich in der Liveshow begrüßen, zwischendurch besuchen und das Finale Show mit dir machen.“ Sie deutete auf die beiden, vor ihr aus dem Fahrstuhl ausgestiegenen Personen und winkte diese gleichzeitig zu sich. „Das sind Melody Sanders und Peter Menderez. Das ist Melissa Keller, unsere Kandidatin.“ Die Begrüßung der beiden war erstaunlich herzlich und Mel verspürte keinerlei Panik oder Arroganz der beiden, was sie endlich entspannen ließ.
„Melissa, ich freue mich, dass du dich entschieden hast ein neues Leben zu beginnen! Wir werden versuchen dir zu helfen, dich zu Unterstützen und wenn es ein Problem geben sollte, sind wir immer erreichbar!“ Melody hielt Melissas Hand zwischen ihren und tätschelte sie etwas. „Ja genau. Du kannst jedem aus dem Team eine E-Mail schreiben oder Jenna aus dem Schlaf reißen!“ Peter lachte laut auf, als er Jennas entsetztes Gesicht bemerkte.
„Wie dem auch sei, ich zeige dir jetzt erst Mal unser Büro und den Raum, in dem Dr. New dich untersuchen wird.“ Jenna nahm Melissa eingehakt und führte sie zum Aufzug. „Dr.New?“ Irritiert fragte sie bei Jenna nach. Diese kicherte und entschuldigte sich direkt. „Sorry, wir nennen ihn alles Dr. New. Er heißt Dr. Hank Newman. New ist einfacher.“ Ihre Zähne leuchteten durch das breite lächeln und entlockte Melissa ebenfalls ein Schmunzeln.
„Werde ich sie alle vorab kennenlernen oder erst wenn ich wirklich starte?“ Jenna sah zu ihr hoch und suchte ihre Augen. „Du bist dir noch nicht sicher, stimmts?“ Mel schüttelte den Kopf. „Nein ich habe keine Ahnung, ob ich das schaffe.“

Und plötzlich platzte es aus ihr heraus. „Ich meine, ich will das alles schon nicht sehen und nun soll ich es einer ganzen, TV-Welt zeigen? Ich weiß nicht, ob ich will, dass eine ganze Nation weiß, wie ich unter diesen Stoffen aussehe.“ Gerade fingen ihre Stimmbänder erneut an zu zittern und ehe sie anfangen würde zu heulen, stoppte sie ihre in Worte gefassten Gedanken und räusperte sich kurz. Verlegen blickte Jenna um sich, schnappte immer Mal wieder nach Luft und überlegte. „Ich überlege mir etwas, okay?“ Ihre Stimme war leise und beruhigend. Melissas grüne Augen sahen die kleinere genau an, versuchten herauszufinden, ob sie es gut mit ihr meinte, oder auch nur für Einschaltquoten verkaufen würde. Sie sah ehrlich aus, aber das war es auch, wie sollte sie einen ihr fremden Menschen richtig oder falsch einschätzen? Ihre Menschenkenntnis war zwar nicht schlecht, im Gegenteil, sie war sogar sehr gut, aber gerade ging ihr der Arsch einfach nur auf Grundeis.
„Danke!“, flüsterte sie ihr trotzdem zu und folgte ihr dann ohne jedes weitere Wort über die Flure des dritten Stocks. „Hier vorne haben wir den Auffang, wenn du herkommst, wirst du hier von Mary oder Tim empfangen und kannst dann auf den Sitzgelegenheiten Platz nehmen. Hier treffen sich alle Besucher und Kunden.“ An einem Tresen mit Glasplatte, stand eine Frau, mittleren Alters, mit kurzen schwarzgrau melierten Haaren und Gestell loser Brille. Neben ihr saß ein Mann, er schien noch sehr jung zu sein. Er war blond, hatte graublaue Augen und etwas längeres Deckhaar, auf rasierten Seiten. Beide lächelten kurz, als Jenna und Melissa an ihnen vorbeigingen. „Hier vorne ist das Büro von Dr. New und daneben im Durchgangszimmer, werden die Belastungstests gemacht. Mein Büro ist am Ende des Ganges rechts und gegenüber sitzt unser Therapeuten Team. Für dich haben mir Dr. Tony Peterson ausgesucht. Direkt daneben, sitzen die Ernährungsberater. In deinem Fall Alexandra Jones. Für den sportlichen Teil haben wir Sportler und Trainer für uns gewinnen können, die auch ein Studio zur Verfügung haben.“
Melissa sah sich mit großen Augen um. Zwischen all den Türen gab es einen fast schon abgerundeten Flur, in dem Sessel und Tische standen. Davon abgehend, fand man die Toiletten und die Büros des Teams. An einer Seite führte ein kleinerer Flur zur Feuertreppe und neben dem Geräteraum, zum Büro des Kamerateams.
„Oben in der vierten Etage sitzen die Produzenten, Drehbuchautoren, die wir hier auch brauchen, damit der Ablauf in die Sendezeit passt. Außerdem gibt es noch viel mehr Formate auf unserem Sender. Die Chefs sind ebenfalls oben zu finden. Unsere Moderatoren werden hauptsächlich in den Aufnahmestudios auftauchen.“
Sie öffnete ihr Büro und bat Melissa sich zu setzen. „Ich habe deinen Vertrag hier, wenn du möchtest, kannst du ihn mitnehmen oder gleich lesen und Unterschreiben.“
Vor ihren Augen tauchte ein Mehrseitiger Vertrag auf. Ihr Magen drehte sich in sämtliche Richtungen und ihr Puls raste. Zittrig nahm sie das Papier und blätterte grob durch. „Ich… Ich werde es im Hotel lesen. Ich kenne mich damit aus, ich bin PR und Werbeberaterin.“
überrascht sah sie Jenna an. „Ach, das ist ja interessant! Vielleicht können wir uns irgendwann Mal darüber unterhalten.“ Sie lächelten sich zu und Jenna bot ihr eine Flasche Wasser an. „Wir gehen nachher gemeinsam zum Mittagessen und danach lernst du das Team kennen, das dich ein Jahr begleiten wird, einverstanden?“ Nickend sah Melissa sie an. „Erfahre ich dann auch, mit wem ich Sport machen muss? Davor habe ich am meisten… Angst.“ Ein Kichern kratzte aus ihrem Hals, was sie direkt mit Wasser runterspülen wollte. „Da hat jeder Angst! Selbst ich hätte das.“ Zwischen ihren Unterlagen, die Wild auf dem Tisch lagen, suchte sie die Papiere. „Irgendwo habe ich den Namen, ich bin ehrlich, ich habe nicht drauf gesehen und bin selbst noch unwissend. Die Entscheidung ist auch erst vor ein paar Tagen gefallen muss ich gestehen, denn er wusste wohl selbst nicht ob das was für ihn ist und ob das Zeitlich passt. Aaaah, da ist der Umschlag. Er hat aber wohl seine Schüler gut eingeteilt und konnte zusagen.“ Langsam zog sie die Papiere heraus. Melissa konnte erkennen das eine Art Lebenslauf mit mittelgroßem Foto beiliegend war und der Vertrag, den er unterschrieben hatte. Jenna sah sich das Foto an und eine Augenbraue rutschte sekundenschnell nach oben. Es funkelte kurz in dem grau ihrer Augen, ehe sie fett grinste und Melissa ansah.
„Ja herzlichen Glückwunsch! Für dich hätten wir dann den ehemaligen Wrestler und nun Ausbilder, Chris Cooper.“
Das Bild tauchte vor ihr auf und Melissa versuchte das Gesicht zuzuordnen. Er sah gut aus, genau ihr Typ! Sie kniff die Augen zusammen und versuchte sich zu erinnern und dann kam es. Scheiße ja! Mark, Kates Ehemann war großer Wrestling Fan und hatte schon in Deutschland, oft kämpfe mit ihm gesehen. Sie nahm das Bild und sah es genauer an. „Ich kann mich doch vor ihm nicht zum Horst machen! Hätte es nicht ein Normalo sein können?“ Jenna lachte laut auf. „Melissa, er weiß doch worum es hier geht und genau deshalb will er ja mitmachen! Er will dir helfen!“ „Ja großartig, das hilft mir gerade nicht wirklich. Du hast doch eben selbst Stielaugen bekommen! Wie soll ich mich da Konzentrieren?“
„Vielleicht fällt es dann ja leichter?“ Nun lachten sie beide.
„Und wann wird Chris hier auftauchen? Oder wie läuft das an sich überhaupt ab?“ „Warte kurz.“ Jenna schnappte sich das Telefon und tippte eine Nummer. „Ich frage Mal eben nach. Hey Judy, du sag Mal, wann kommt denn unser Trainer? Chris Cooper wie ich eben erfahren habe. Ja ich habe den Umschlag gerade erst geöffnet, Sorry. Unsere Kandidatin ist hier und da würde es sich ja anbieten.“ Mehrfach nickte und brummte sie in den Hörer. Melissa hingegen, starrte immer wieder auf das Bild. Fuck! Ausgerechnet so ein Exemplar von Mann musste sie trainieren. Das letzte Mal einen Mann in ihrer Nähe hatte sie kurz nachdem sie hergezogen war, aber das war auch nur so eine Nullnummer. Sie verlor sich in den Augen auf dem Foto und ging in ihrem Kopf durch, wie sie sich bestmöglich verkaufen konnte, ohne zum Vollidiot zu mutieren.
„Er wird dich nicht verurteilen Melissa!“ Wie durch einen Schleier hatte sie eine Stimme wahrgenommen und nur „Mhm“, gebrummt. Erst als Jenna anfing zu lachen, schreckte sie hoch. „Was ist?“ „Och nichts. Fängt nur schon gut an!“, deutete sie auf das Foto, das noch immer vor Mel auf dem Tisch lag. Direkt schoss ihr die Hitze in die Wangen. Peinlich berührt sah sie die Blonde an. „Kein Grund rot zu werden!“
„Ich habe… Ich habe nur überlegt, wie ich das alles durchstehen soll.“ Melissa stolperte über ihre Worte und wurde immer unsicherer. Auf dem Bild konnte man nur die breiten Oberarme sehen, weshalb sie auf das Original, mehr als gespannt war. Aber warum dachte sie denn nun an so etwas? Das war ihr Trainer! Der Mann, der ihr in den Arsch treten und sie trainieren würde. Ein Jahr lang, würde sie kämpfen und schwitzen, wie ein Tier und er würde dafür sorgen. Oh je. „Also Melissa, Chris wird heute nicht auftauchen, du kannst also Aufatmen. Sobald du den Vertrag unterschrieben hast, werden wir mit dir einen Termin vereinbaren, zu dem wir uns erneut treffen. Dann werden wir die Untersuchung machen. Allerdings kannst du, wenn du möchtest, bereits mit deinem Therapeuten reden und euch kennenlernen. Bei dem Starttermin wird Chris dann anwesend sein und mit dir eine Probestunde machen, ehe er deinen Plan ausarbeiten kann. Ach übrigens, müssten wir dann auch wissen, ob du ein Jahr in Davenport beziehungsweise ein Ort weiter wohnst oder einmal im Monat hinfliegst. Chris hat in Davenport seine Unterrichtsräume, würde dann aber auch zu abgesprochenen Terminen, zu dir fliegen. Boston, richtig?“
Melissa nickte. „Ja ich lebe in Boston. Ich kann es euch nicht sagen, da ich erst seit über einem Jahr hier in Amerika lebe und arbeite. Ich kann nicht sofort ein Jahr freinehmen, das muss ich abklären!“ Jenna kannte das Problem.“ Vielleicht mit Home-Office?“ „Das hat meine beste Freundin auch vorgeschlagen, ich werde Mal nachfragen. Hin und her fliegen wollte ich eigentlich nicht. Aber zwei Appartements kann ich auch nicht zahlen.“ Jenna zog eine Akte aus der Schublade. „Musst du nicht! Wir haben drei Wohnungen, in denen ihr wohnen könnt. Es gibt noch zwei andere Teilnehmer. Die Wohnungen liegen in der Nähe der Trainingsräume und Filmstudios. Wir müssen es nur rechtzeitig wissen, denn Chris, muss sich auch darauf einstellen!“
Melissa steckte den Vertrag ein und bekam die Keycard für das Hotelzimmer. „Ein Fahrer wird dich überall hinfahren, du musst ihm nur beschied sagen. Hier hast du seine Nummer.“ Jenna reichte ihr eine Karte und stand dann auf. „Aber nun lass uns Mal mit dem Team essen gehen. Und bitte mach dir keine Gedanken! Du musst jetzt nicht auf einem trockenen Salatblatt herumkauen. Das Essen ist bestens zusammengestellt. Gute Fette, viel Eiweiß, Gemüse, Salat, Fisch oder Fleisch in sehr hoher Qualität. Das Menü ist abgestimmt aufeinander und du kannst es ohne Reue komplett essen, auch den Nachtisch!“
Das Augenrollen lächelte Jenna weg und ließ Melissa schmunzeln. Nun ging es los, sie hatte den ersten Schritt in ihr neues Leben getan und war gespannt, wie es weiterging.

Kapitel 3

„Kate, ich habe mir jetzt eine Woche Zeit genommen, um darüber nachzudenken und ich weiß immer noch nicht, ob ich das machen soll! Das Mittagessen mit dem Team war… es war komisch! Ich habe mich unwohl gefühlt und beobachtet. Dieser Dr. Newman war wirklich nett und auch der Therapeut scheint in Ordnung zu sein, aber diese Jones, ich weiß nicht ob ich mit der warm werde!“

„Mel, nun komm schon. Du hast im Büro schon ganz andere Leute geschafft, dann bekommst du das auch noch hin! Und diese Jenna, scheint ja wirklich nett zu sein und dir helfen zu wollen. Abbrechen kannst du das ganze doch immer noch, wenn du merkst, dass es nicht das richtige für dich ist oder die Menschlich absolut unerträglich sind.“

Ein Brummen hallte ins Telefon. Melissa wusste ja, dass sie jederzeit aufhören konnte. Nur die Wohnungsgeschichte würde sie wohl anders lösen. Sie konnte zwar ins Home-Office gehen, aber das Appartement, das man ihr geben wollte, war nicht mehr Bestandteil des Vertrages. Also musste sie dort in einem Hotel übernachten, wenn sie bei Chris vor Ort war und er müsste nach Boston fliegen, um sie zu Besuchen. „Außerdem würdest du deine Spezial Stunden mit Chris nicht bekommen!“, fügte Kate ganz bewusst noch hinterher. „Kate, er ist Trainer und wird mich quälen, warum soll ich das gut finden?“ „Ich habe gegoogelt, der ist genau dein Typ, also erzähl das wem anderes!“ Sie lachte über ihre Freundin und Melissa musste nun auch schmunzeln. Irgendwie hatte sie ja recht.

Zum X-ten Mal las sie sich den Vertrag durch. Es gab keinen Haken, alles war rechtlich sicher und auch für sie gab es keine Nachteile. Sie konnte weiterarbeiten, würde also kein Geld verlieren. Sie bekam Flüge und Fahrservice bezahlt und sollte sie nach Davenport fliegen, um dort mit Chris zu trainieren, würden sie die Hotelkosten übernehmen. Sie wurmte nur der Abschnitt, in dem aufgeführt wurde, dass der Sender die Folge ausstrahlen dürfte, wann und sooft sie wollten. Nach Rücksprache mit ihrem Anwalt, wollte er das zwar noch einmal ansprechen, aber es war eine Option, die sich alle Sender offenhielten und daran könne sie nicht wirklich etwas ändern. Jenna hatte sich zwischendurch immer Mal bei ihr gemeldet und schien wirklich keine Bösen Absichten zu haben. Sie hatte ihr sogar die Möglichkeit verschafft, sich nicht ohne Shirt Wiegen oder zeigen zu müssen.

Für die Vorher/nachher Bilder, sollte sie dann ihr Sport Outfit anziehen, das nicht schlabberte, um den Körper besser zu erkennen.

Nun saß sie mit dem Vertrag vor sich und einem Kugelschreiber in der Hand am Küchentisch und setzte immer wieder an. Ihr ging alles durch den Kopf. Das Gespräch mit Kate, ihre Selbstzweifel und der Hass, den sie fühlte, wenn sie sich im Spiegel sah. Das Leid, wenn sie wieder gegessen hatte und das Wochenende in Philadelphia, an dem sie erfahren hatte, wie dieses Jahr ablaufen würde. Sie scrollte durch ihr Handy und fand zwischen ihren Fotos, das Bild, dass ein ehemaliger Kollege mal von ihr gemacht hatte. Er hatte sie dort in ihr Wunschgewicht er schlanken lassen.

Sie fühlte sich hübsch und war glücklich, wenn sie es sah. „Okay! Chris, mach mit mir was du willst, ich werde den Kampf gewinnen!“ Voller Überzeugung schwang sie den Kugelschreiber über das Papier und hinterließ ihre Unterschrift.

Hallo Melissa,

ich freue mich das du dabei bist! Der Vertrag kam gerade an und ich habe mich mit dem Team verabredet, um einen Termin zu finden. Ich melde mich, sobald wir einen festgelegt haben.

Liebe Grüße

Jenna

Nun war es offiziell, sie würde ins Fernsehen gehen und sich in den USA zeigen, so wie sie war. Ebenso musste sie sich neu einkleiden, denn in ihren verbeulten Hosen, wollte sie nicht zum Sport gehen oder bei den Gesprächen auf der Couch sitzen. Ihre Business Kleidung war zu overdressed und die Jeans nichts für Sport und Bewegung.

Mit dem Laptop auf dem Schoß, saß sie in ihrem Bett, im Fernsehen hatte sie sich eine DVD eingeschaltet, in dem es um die Karriere von Chris ging.

Die hatte sie sich von Mark geliehen, nachdem Kate ihr freudestrahlend davon erzählt hatte.

Zwischen Sporttights, Tops, Shirts und Sport BHs, sah sie immer wieder über den Desktop in das Fernsehen. Der war tatsächlich nett anzusehen. Die Untertreibung des Jahres! Nett, wem wollte sie das denn erzählen? Der Mann war genau ihr Fall! Aber da ein Mann wie er, sich niemals für sie interessieren würde, musste sie sich keine Gedanken machen, wie sie Eindruck schinden konnte, es wäre Sinnlos. „Ich bin ich und keine Schauspielerin oder ein Modell. Öfter als einmal im Monat werde ich ihn sicherlich nicht sehen!“, murmelte sie und scrollte weiter.

Eine Stunde später, war sie 350 $ ärmer, aber zufrieden. Zumindest bis die Sachen da waren und sie sie anprobieren müsste. Neben sich auf dem Bett lag ein Block mit einer selbsterstellten To Do Liste. Dort hakte sie Kleidung ab und kringelte Friseur ein. Etwas aufhübschen konnte ja nicht schaden.

„Kate, ich habe in den letzten Tagen, mehrere Hundert Dollar ausgegeben. Für was mach ich das denn überhaupt?“ Ihre beste Freundin grinste in ihren Coffee Cup. „Du willst dein Leben ändern, es verbessern. Und mit viel Glück, endlich auch einen Mann finden, der dich liebt.“

„Aber ich bezweifle das es der richtige Weg ist. Keine Ahnung, ich werde schon wieder viel zu unsicher.“ Schweißtropfen bildeten sich auf ihrer Stirn, sie war kurz vor einer Panik Attacke. Schnell hob sie die Hand nach der Kellnerin, die sich lächelnd auf den Weg machte. „Kann ich ihnen etwas bringen?“, sah sie Melissa fragend an. „Ja, ich hätte gerne ein Stück Strawberry Cheesecake und eine Kokos Latte Macchiato, danke schön!“

Kate wartete bis die Kellnerin weg war und lehnte sich dann zu ihrer Freundin vor. „Und das ist jetzt die Lösung? Du hast jetzt einen Monat durchgehalten, dich toll ernährt, Sport getrieben und keine Attacken gehabt. Und nun, weil du weißt, dass du morgen nach Philadelphia fliegst, bekommst du Schiss und frisst dir die Panik für wie lange? 5 Minuten weg?“

Genervt rollte Mel die Augen. Ja sie hatte recht, aber das war es nun mal, was sie jetzt brauchte und da konnte Kate sagen was sie wollte. Dieses Stück Kuchen würde sie nun genießen.

„Würdest du morgen mitkommen? Ich würde gerne deine Meinung hören, über das Ganze.“ Das Thema musste gewechselt werden und Angst hatte Melissa tatsächlich.

Das war Tag X, sie würde Gespräche führen, Chris kennenlernen und persönlich erwartete sie abwertende Blicke und Worte. Sie wusste nicht Mal warum, aber so war es schon immer gewesen. Egal wen sie getroffen hatte, jeder hatte Vorurteile oder Ekel. So stellte sie es sich zumindest vor, denn den Ekel empfand sie ja selbst auch.

„Tut mir leid, ich habe die Endabnahme mit einem Kunden. Der kommt persönlich vorbei und ich kann ihn nicht vertrösten. Da wirst du allein durchmüssen. Aber du wolltest ja auch ein Jahr dort wohnen, da wäre ich auch nicht dabei gewesen.“ Genau das wollte Melissa nicht hören, sie hatte auf Unterstützung gehofft. „Außerdem Schätzchen, was soll ich da machen? Du wirst untersucht, machst Sport und hast Gespräche, da kann ich nicht mit. Ich würde im Hotel oder einem Café sitzen und mich langweilen. Du kannst das allein viel besser, als du gerade glaubst!“ Melissa schaufelte das Stück Kuchen in sich hinein und dachte an den Tag, der vor ihr lag. Laut schnaufte sie auf. „Du hast recht Kate, da muss ich allein durch!“

Am Flughafen wurde sie von dem Tontechniker, der bei ihrem ersten Besuch ihre Hand gehalten hatte, abgeholt. „Hallo Melissa, schön, dass du wieder da bist. Heute bin ich dein Fahrer, der andere holt gerade Chris ab.“ Lächelnd hielt er ihr seine Hand hin. „Ich bin übrigens Will, beim letzten Mal hatte ich keine Gelegenheit dazu mich vorzustellen, verzeih.“

„Hallo Will, danke fürs abholen. Ich hätte dich beim letzten Mal ja fragen können, aber da war ich noch nervöser als jetzt. Hätte also nichts gebracht.“ Will nahm ihren Koffer und deutete zur Tür. „Ich stehe verbotenerweise auf dem Lieferanten Parkplatz, also lass uns beeilen.“

Mit weichen Knien betrat sie wenig später das Gebäude. Will lief wenige Schritte vor ihr und ließ den Aufzug kommen.

„Ich bringe dich zu Jenna, bis die anderen alle angekommen sind, also ganz ruhig. Die Höhle der Löwen ist noch geschlossen.“ Er meinte das vielleicht witzig, aber ihr war gerade nicht nach Lachen zu Mute und ein toller Vergleich, um sie aufzumuntern, war es auch nicht.

Auf dem Weg nach oben, schloss sie die Augen und stellte sich alles in rosarot vor. Nette Gespräche, ein schneller Erfolg und ein Leben als schlanke Frau. Ein leichtes Schmunzeln zierte ihr Gesicht, bevor der Aufzug hielt und sie in die Realität zurückgeholt wurde. Es war wie ein Filmriss, ehe sie die Augen wieder öffnete. Will streckte den Arm aus und hielt an sie vorzulassen. Nervös stieg sie aus und lief den Korridor entlang, bis zur Glastür, die zum Büro führte. Am Auffang vorbei, ging sie direkt zu Jennas Büro. Diese saß telefonierend am Schreibtisch und lächelte, als Melissa die Tür öffnete.

„.. wir sind dann in 10 Minuten oben, danke schön! Hallo Melissa, gut, dass du da bist, Mr. Gibson erwartet uns gleich. Er möchte dich kennenlernen, außerdem muss ich ihm die Unterlagen der Teilnehmer vorbeibringen. Magst du noch etwas trinken?“ Melissa schüttelte den Kopf. „Nein danke, sonst muss ich zu oft auf die Toilette.“ „Kenn ich. Und, bist du schon aufgeregt? Dein Tag ist total ausgebucht heute.“

Jenna legte ihr den Tagesplan vor und druckte gleichzeitig die weiteren aus, die sie mitnehmen musste. „In die tragen wir dann ein, wann du mit wem Gespräche führst und wann du deine Sport Einheiten hast. Nächste Woche bekommst du dann von allen einen Plan per E-Mail, den sie extra für dich zusammenstellen. Du müsstest allerdings heute sagen, wo du das erste Halbjahr sein wirst, damit sie wissen welche Räumlichkeiten, ihnen zur Verfügung stehen.“

Melissa sah sich den Tagesplan an und nickte, den Worten von Jenna zu. „Ich denke ich bleibe in Boston, zumindest das erste halbe Jahr. Wenn ich mich umentscheiden sollte, werde ich das vorher mit ihnen besprechen. Nur macht es denke ich, keinen Sinn da jetzt umzuziehen.“ „Würde ich auch nicht, gebe ich dir recht. Wir haben allerdings viele Kandidaten, die das bevorzugen, weil es für sie einfacher ist.“

„Also habe ich jetzt, wenn wir uns alle kennengelernt haben, die ersten Gespräche mit Dr. Peterson und der Ernährungsberaterin?“ Melissa hielt den Tagesplan hoch. „Ja genau. Wir werden uns, nachdem wir bei Mr. Gibson waren, im Konferenzraum mit den anderen treffen. Du wirst dann dein Gespräch mit Dr. Peterson haben. Wir gehen von einer halben Stunde aus. Die nächsten werden eine Stunde mindestens haben. Alexandra Jones, wird dir dann einige Fragen stellen und mit dir einen Termin abstimmen, um mit dir einkaufen zu gehen. Vorher wird sie sich deinen Kühlschrank und die Vorräte ansehen. Du bekommst den Plan auf das Gesundheitsprofil abgestimmt, das Dr. Newman mit dir macht. Der ist im Anschluss dran. Blut abnehmen, Wiegen, Belastungstest. Zu ihm wirst du vor Abflug erneut gehen, um die Ergebnisse zu erfahren. Das ist der Grund, warum du drei Tage hierbleibst. Das Essen wird für die Zeit grob ausgerechnet und zusammengestellt.“ Melissa schluckte hart.

„Lass uns hochgehen, mein Chef wartet nicht gern.“ Beladen mit Unterlagen, ging Jenna vorneweg. Melissa wurde es fast schwarz vor Augen, als sie den Gang entlanglief. Vor ihr tauchte ein grauhaariger, großer Mann auf. Er war sicherlich schon in seinen Fünfzigern.

Er lächelte nur ganz leicht, es war kaum zu erkennen und reichte ihr seine Hand. Die Stimme war sehr tief und vibrierte über ihre Hand in den ganzen Körper. Stotternd stellte sie sich vor und lief ihnen dann schon fast ängstlich hinterher.

„Miss Keller, setzen Sie sich. Ich möchte Sie auch nicht lange aufhalten. Die Gespräche finden gleich statt und ich werde ausnahmsweise nicht anwesend sein, da ich wichtige Termine habe. Ich wollte mich nur Vorstellen und Sie kennenlernen. Ich hoffe das ihnen alle Fragen beantwortet wurden und Sie mit Tatendrang an die Sache herangehen werden.“ Melissa konnte ihm kaum folgen. Er redete schnell und hatte einen feinen, englischen Akzent. Sie konnte die Sprache zwar sehr gut und hatte auch mit dem Business Englisch begonnen, aber es gab immer noch aussprachen, die sie schwer verstand oder zu lange brauchte, um sie sich zu übersetzen.

„Vielen Dank, ja mir wurden die ersten Fragen zur vollen Zufriedenheit beantwortet. Ich bin nur sehr nervös, schließlich wurde ich noch nie von Kameras verfolgt.“ Sein Bass bebte, als er lachte. „Verfolgen würde ich das nicht nennen, Sie werden von unseren Mitarbeitern für die passenden Takes vorbereitet. Es wird abgesprochen, was und wo gefilmt wird. Es sind kurze Takes. Ausschließlich die Gespräche, werden fast komplett aufgezeichnet und später so geschnitten, dass es in die Sendezeit passt.“ Nun wurde ihr doch etwas schlecht.“ Werden meine persönlichen Therapie Gespräche auch aufgezeichnet?“ Irritiert sah Mr. Gibson zu Jenna, die Nervös auf ihrem Stuhl herumrutschte. „Clark, haben Sie ihr nicht genauestens davon Bericht erstattet, wie das Filmen abläuft?“ „Nicht ganz Mr. Gibson.“ Ängstlich sah Melissa zu Jenna, die ihr nicht in die Augen sehen wollte. „Das heißt nun was?“, fragte sie nun ernst nach. „Miss Keller, wir werden alle Gespräche mitverfolgen und natürlich Aufnehmen. Sie haben allerdings die Option, mit Peterson Einzelgespräche zu buchen, die wir nicht filmen. Die werden dann allerdings nicht von uns übernommen.“

„Das war der Haken also. Warum steht das so nicht im Vertrag? Dort wurde nur festgehalten, das teile der Gespräche gefilmt und veröffentlicht werden!“ Mr. Gibson merkte, dass hier gerade eine Sendezeit und Tausende von Dollar, die sein Sender damit machen sollte, flöten gehen könnte, wenn er keinen Weg finden würde. Schmierig wie ein Aal sah er sie an. „Miss Keller, natürlich werden wir bei einem längeren Gespräch nicht eine geballte Stunde filmen, das kostet zu viel. Aber wir werden bei jedem dabei sein. Sie können dem Kameramann dann gern sagen, dass er gehen soll, wenn er fertig ist.“ Melissa kniff die Augen zusammen. Sie traute dem Braten nicht und würde sich dafür, definitiv etwas anderes überlegen. Wenn sie glaubten, sie würde einen Seelenstrip hinlegen, würden sie sich so was von täuschen!“

Der Raum war warm und stickig. Melissa saß am geschlossenen Fenster und sah Jenna zu, wie sie auf ihrem Tablet wischte und sich immer wieder Notizen machte. Auf Melissas Stirn bildeten sich Schweißperlen und ihr Körper fühlte sich an, als würde er jeden Moment verbrennen. Die Poren in ihrem Gesicht öffneten sich Spürbar und unter ihrer Carmen Bluse schien die Hitze immer größer zu werden. Gerade bereute sie, ihre Skinny Jeans angezogen zu haben. Denn trotz der Cuts, fühlte sie sich wie in einem Saunaanzug. „Hast du was dagegen, wenn ich das Fenster aufmache?“, fragte sie dann irgendwann. Jenna blickte kurz auf und sah, wie rot Melissas Wangen waren. Zum Glück hatte sie sich gegen Make-up entschieden und nur ein paar Fake Lashes angeklebt. „Ich kann auch gerne die Klimaanlage anmachen, wenn du willst.“ Melissa nickte und lächelte zaghaft.

Neben der Tür drehte Jenna an einem Schalter und wenige Augenblicke später, spürte Melissa, wie es kühler wurde.

„Danke Jenna, ich dachte ich verbrenne jeden Moment!“ „Kein Problem! Beim nächsten Mal weißt du, wo der Regler ist.“ Wie hypnotisiert sah sich Melissa die Wasserflaschen an, die mittig auf dem Ovalen Tisch standen. Sie waren beschlagen und kleine Wassertropfen liefen an den Seiten runter. Sie mussten kurz zuvor noch im Kühlschrank gestanden haben. In der Mitte des Tisches stand ein Blumengesteck in den Farben des Logos und wenn man ehrlich war, auch die Farben des hiesigen Football Teams, Philadelphia Eagles; Türkis und weiß.

Gerade als sie in ihrem Smartphone die Nachrichten von Kate gelesen hatte, die es sich nicht nehmen ließ, ihr alles Gute zu wünschen und das sie auf einen sofortigen Anruf wartete, wenn sie im Hotel war, öffnete sich die Tür zum Konferenzraum und Mr. Gibson trat mit „dem Team“ herein. „Miss Keller, darf ich ihnen vorstellen? Dr. Newman, Miss Jones, Dr. Peterson und Mr. Cooper.“ Melissa rieb sich immer wieder die Hände an den Oberschenkeln ab und spürte, wie sich Panik in ihr breit machte. Sie lächelte und gab jedem freundlich die Hand. Als sie die von Chris in ihrer Spürte, verdreifachte sich ihr Herzschlag. Seine Augen leuchteten und er lachte sie an. So in real vor ihr stehend, sah er noch besser aus als im Fernsehen oder auf Fotos. „Hallo, ich bin Melissa.“ Mehr brachte sie bei bestem Willen nicht raus. „Freut mich“, lächelte er noch etwas breiter und legte seine Hände in die Hüfte. „Ich werde bei dem Gespräch nicht dabei sein können, ich habe noch ein wichtiges Meeting, aber Miss Clark hat alle Informationen.“ Mr. Gibson verabschiedete sich und schloss dir Tür, nachdem der Kameramann eingetreten war.

Zurück an ihrem Platz, setzte sich Melissa und wartete darauf, dass Jenna den Ablauf klärte, um ihr die Angst vor der Kamera zu nehmen. „Wie Mr. Gibson gerade erklärt hat, werde ich nun alle nötigen Informationen an sie weitergeben. Miss Keller wird ab sofort in unserem Format als Kandidatin teilnehmen und für ein Jahr von ihnen betreut. Dr. Newman, wird heute noch die Erstuntersuchung vornehmen und wichtig für Mr. Cooper, den Belastungstest! Anschließend wäre es möglich, dass jeder von Ihnen Zeit für ein Gespräch mit ihr bekommt, um Termine abzusprechen und den groben Überblick von dem, was im ersten Halbjahr auf sie zukommt. Ebenso wird Miss Keller Ihnen Vortragen was sie erwartet und was sie in der Vergangenheit getan hat. Dies wiederum wäre ebenfalls für Mr. Cooper und Dr. Peterson interessant.“

Dr. Newman lehnte sich etwas vor und erhob das Wort.

„Ich denke wir werden für uns die richtige Vorgehensweise finden. Wichtig ist für uns alle, zu wissen wie die Gesundheit unserer Teilnehmerin aussieht!“ Alle nickten. Melissa war nervös und bei all dem, was da gerade besprochen wurde, hatte sie das Gefühl, das das was sie wollte, nicht berücksichtigt werden würde. Jetzt lag es an ihr, sie musste sich äußern, für sich einstehen. Sie musste sich nur Vorstellen, sie würde sich mit Kunden unterhalten und ihr Werk verkaufen. Melissa räusperte sich kurz, während Jenna mit den anwesenden Profis sprach. „Ich weiß, dass ich mich in dem, was hier passiert nicht auskenne, aber ich möchte direkt festhalten, dass mir die Sitzungen mit Dr. Peterson und der Sport mit Mr. Cooper wichtiger sind als Gespräche und besuche rund um die Ernährung. Die beiden haben oberste Priorität bei mir.“ Gerade als sie weiterreden und erklären wollte, mischte sich Alexandra Jones ein, die sichtlich angepisst war. „Verzeihen Sie, Miss Keller, aber wenn Sie Erfahrung in Sachen Ernährung hätten oder auch nur einen Hauch Ahnung, würden Sie nicht so aussehen und gerade bei diesem TV-Format mitmachen!“ In ihrer Stimme lag Verachtung. Ihr Unwissen Melissa gegenüber, machte sie zu einer von den Menschen, die immer geurteilt hatten, ohne Melissa zu kennen. „Sie Miss Jones, haben von mir genauso viel Ahnung, wie ich von dem Sport, den Chris macht!“

Jenna legte die Hand vor den Mund und Chris gluckste kurz auf. Alexandra hingegen schnappte ein paar Mal nach Luft, ehe sie sich wieder an Melissa wendete. „Bei diesem Übergewicht geht eine Jahrelange, falsche und übermäßige Ernährung voraus, aus der Sie nur herauskommen, wenn…“ Weiter kam sie nicht mehr, da Melissa schon zum Gegenschlag ausholte. „Miss Jones, bei allerliebe, aber sie Urteilen über mich, ohne je ein Wort mit mir gesprochen zu haben. Ich ernähre mich seit etwas über einem Jahr mehr als gesund!“ Sie legte ihr und allen anderen, ihren Ernährungsplan vor die Nase, den sie in den letzten Monaten verfolgt hatte. „Ich nehme nicht mehr wie 1650 Kalorien am Tag zu mir. Das ist ein Defizit von rund 500 Kalorien. Da ich kein Sport mache, also nur ein Minimaler Erfolg auf lange Sicht. Wenn Dr. Newman mich Untersucht hat und mir und auch Mr. Cooper, die von ihm empfohlenen Tageskalorien vorlegt, werden wir das dementsprechend anpassen. Da können Sie sich gerne einbringen! Aber ich lasse mir von Ihnen nicht schon vorher auf der Nase herumtanzen! Mein Körper sieht so aus, weil ich jahrelang all meinen Kummer mit Essen betäubt hatte. Ich habe die Trauer um meine verstorbene Mutter, damit verdrängen wollen. Ich habe eine Essstörung entwickelt, die hier drin festsitzt!“ Sie tippte sich immer wieder gegen den Kopf. „Ich esse gesund. Weißes Fleisch, Gemüse, Salate, viel Eiweiß, gute Fette und wenige, aber dafür gute Kohlenhydrate, wie sie lesen können. Nur wenn ich Panik bekomme, man mich enttäuscht, ich Angst, Trauer oder Einsamkeit spüre, bekomme ich einen Fressanfall, das ist mein Problem! Das ist es, warum ich das alles nicht loswerde! – Und die wenige Bewegung“, fügte sie hinzu und grinste Chris an. „Ich bin Melissa Keller, 34 Jahre aus Deutschland. Lebe seit einem Jahr in Boston, bin PR-Beraterin und gewillt dieses Projekt anzugehen und mit Erfolg abzuschließen, also helfen Sie mir und verurteilen Sie mich nicht!“ Sie knallte ihre Notizen auf den Tisch, stand mit einem über den Boden quietschenden Stuhl auf und verließ mit kochendem Blut den Raum. Jenna und Colby sahen ihr nach. Dr. Peterson machte sich Notizen und nahm auch Melissas an sich. Dr. Newman nickte und verzog sein Gesicht zu einem feinen schmunzeln. „Ich denke, sie hat ihre Meinung dazu gesagt!“ Chris stand auf und verließ ebenfalls den Konferenzraum. Vor der Tür am offenen Fenster stand Melissa. Sie hielt sich am Fensterrahmen fest und atmete tief ein. Ihr Puls raste und die Panik Attacke war nicht mehr weit entfernt. Immer wieder musste sie sich in ihrem Leben schon gegen Menschen wie diese Jones durchsetzen. Jedes Mal, wenn sie etwas wollte, wenn ihr jemand oder etwas wichtig war, wurde sie so behandelt. Sie wollte das nicht mehr und konnte es auch einfach nicht mehr. Chris schritt etwas näher an sie heran und räusperte sich kurz, damit sie ihn bemerkte.

„Tolle Ansprache!“, lehnte er sich neben sie ans Fenster und verschränkte die arme. „Danke! Aber das war nicht Mal Absicht. Sie hat nur einen wunden Punkt bei mir getroffen!“ „Das hat sie verdient! Ich habe die letzte Folge gesehen, da war sie auch dabei. Sie ist eine Hexe!“, flüsterte er ihr zu und lachte. Melissa kicherte und sah ihm in seine dunklen Augen. Ihre Knie wurden weich, weshalb sie sofort wieder aus dem Fenster sah. „Wir werden nun ein Jahr miteinander das Vergnügen haben. Das dürfte interessant werden!“

„Ach, sei doch ehrlich, du wirst mir den Arsch aufreißen und ich werde dich hassen!“ Beide fingen an zu lachen.

„Sagen wir so, ich hätte es netter ausgedrückt und ja, du wirst mich hassen!“ Gerade fiel ihr auf, dass sie ihn einfach geduzt hatte und riss verlegen die Augen auf. „Sorry übrigens für das unerlaubte DU.“ Amüsiert legte er seine Hand auf ihre Schulter. „Schon okay, so wird es vielleicht ein klein wenig einfacher oder netter.“ Er lief den Gang entlang und drehte sich kurz vor der Tür noch einmal zu ihr um. „Wir sehen uns beim Mittagessen, viel Spaß mit Dr. New!“

Mit einem fetten Lächeln blieb sie zurück und zog an ihrer Bluse, um sich kühle Luft zuzufächeln. Plötzlich war ihr noch wärmer geworden.

Kapitel 4

Es hatte noch eine Weile gedauert, bis Jenna mit den anderen aus dem Konferenzraum gekommen war und sie gemeinsam zu den Büros hinuntergefahren waren. Im Auffang saß Chris und telefonierte. „Dr. Newman wird mit dir direkt in sein Büro gehen und danach kommst du bitte in meines, wir müssen uns kurz Unterhalten.“ Melissa sah zwar ein feines Schmunzeln in Jennas Gesicht, wusste aber, dass es womöglich Ärger geben würde.

Sie folgte Dr. New in sein Büro und setzte sich wie gefordert vor seinen Schreibtisch. „So Melissa, ich werde Sie nun Messen und Wiegen, Blut abnehmen und ein paar Fragen stellen zu Ihrem Gesundheitsprofil. Haben Sie Sportkleidung dabei?“ Melissa nickte kurz. „Ja ich habe bei Miss Clark im Büro meine Tasche stehen.“ „Sehr gut, denn ich würde gerne noch vor dem Mittagessen einen Belastungstest auf dem Ergometer mit ihnen machen!“ Erneut spürte Melissa die Angst, die in ihr empor kroch. Im Augenwinkel sah sie ihren Feind, das Ergometer. Wie hasste sie das Ding. Der Sitz war unbequem und drückte sich in ihren Hintern, bis alles Taub war. Am liebsten würde sie Laufen oder andere Übungen machen. Jetzt wäre es noch freiwillig, ab Morgen, wenn Chris sie in seinen Händen hatte, würde sie es verfluchen und am liebsten verschwinden! „Dann würde sich Sie bitten, sich kurz umzuziehen und dann wieder zu mir zu kommen!“, stand Dr. New auf und deutete zur Tür. Schnell ging sie den Flur hinunter zu Jenna. „Ich muss mich Umziehen, kann ich das auf den Toiletten, oder sind die zu klein?“, sah sie die kleinere an. „Geh hier neben in meinen Aktenraum, da hast du Platz und es kommt niemand rein, ich bin ja hier“, zeigte sie zur rechten Seite. In ihren neuen, schwarzen Sport Leggings, ihrem Neon pinken Sport BH und einem Sport Top, kam sie wieder hervor.

„Ich bin jetzt schon geschwitzt, was passiert, wenn ich da wieder rauskomme?“, zeigte sie mit dem Daumen hinter sich. Jenna lachte. „Du kannst danach direkt ins Hotel, duschen und umziehen. Unser Fahrer holt dich dann wieder ab und bringt dich zu dem Diner, in dem wir uns zum Essen treffen.“ Melissa sah sie erstaunt an. „Diner? Ich denke, ihr esst immer hier?“ Jennas Lippen verschoben sich immer wieder und irgendwann biss sie sich auf die Unterlippe. „Eigentlich darf ich dir das nicht sagen, aber Chris will hier nicht essen, es schmeckt ihm nicht und er will dich außerhalb erleben. Wissen wie du dich verhältst, wenn die Mahlzeiten nicht aufeinander abgestimmt sind.“ „Ein Test?“ „Kann man so nennen. Aber ich würde eher sagen, es ist ein Kennenlernen. Woher sollen sie wissen wie du bist? Das eben mit der Jones war schon… interessant!“ „Das passiert, wenn ich mich in die Ecke getränkt fühle. Ich bekomme Panik. Und wenn ich nicht essen kann, werde ich eklig. Und das ging jetzt noch, frag Mal meine beste Freundin, wie unfair ich werden kann!“

  Dr. Newman nahm ihr Blut ab, stellte sie auf die Waage und nahm Maß. Während er sie am Ergometer anschloss, tippte er die Ergebnisse in den Computer. „Miss Keller, ihre Werte sind alles andere als gut! Sie Wiegen 126 kg. Ihr BMI liegt derzeit bei rund 38, was Adipös, also extrem Übergewicht ist. Da es bei Ihnen Hauptsächlich das Bauchfett ist, besonders gefährlich! Sie haben nur 37,5 % Körperwasser, trinken Sie nicht genug?“ Melissa schüttelte den Kopf. „Nein leider nicht, ich vergesse das immer. Ich bin froh, wenn ich einen Liter zusammen bekomme. Im Sommer kann es auch Mal zwei Liter werden, aber das war es schon.“ Er schüttelte den Kopf. „Das ist zu wenig. Sie müssen mindestens drei Liter Wasser trinken! Ihr Knochenmaß ist okay und Ihr Muskelanteil ist mit 65,6 kg optimal. Aber ihr Körperfettanteil liegt bei 47,5 %, das müssen sie schleunigst ändern!“ Er ließ Melissa 20 Minuten strampeln und sah sich die Werte genau an. „Also wenn ich mir das betrachte, steht einem normalen Training nichts im Wege! Ich werde Mr. Cooper die Daten übermitteln und meine Empfehlung zur Ernährung an ihn und Miss Jones weitergeben. Ich denke es wird reichen, wenn ich mich telefonisch bei Ihnen melde und auch Ihnen die Ergebnisse mitteile. Sollten die Werte der Blut und Schilddrüsen Proben normal ausfallen, sehen wir uns erst in einem halben Jahr wieder, es sei denn es wäre in der Zwischenzeit etwas, das ich mir ansehen müsste!“ Mit kurzen Notizen verließ Melissa kurz darauf das Büro und schlich mit einem schmerzenden Po und einem Taub gewordenen Damm, den Flur hinunter.

Aus dem Büro von Dr. Peterson kam gerade Chris und grinste sie wissend an. „Das erste Mal auf dem Ergometer ist Horror, ich weiß!“ „Wenn man keine, Po Muskulatur hat ja, aber das kannst du ja nicht behaupten!“, konterte sie, ehe sie bei Jenna anklopfte. Sein raues lachen, ließ sie erneut in seine Richtung sehen. „Gut gekontert Boston!“ Ein leichtes Glühen legte sich auf ihre Wangen. „Kommst du nun rein oder wie oft willst du noch anklopfen?“, riss Jenna die Tür auf und Melissa aus ihren Gedanken. „Oh Gott“, entfuhr es ihr und sie verschwand eilig in dem kleinen Büro. „Ich mache mich hier zum Vollhorst!“

Nach einem Rüffel von Jenna und der bitte Alexandra nicht so offensichtlich vor der Kamera zu denunzieren, fuhr Melissa ins Hotel. Sie ließ auch direkt an was sie trug, ohne sich verschwitzt in ihre Jeans zu zwängen und machte sich auf die Suche nach ihrem Fahrer. Duschen und umziehen war ihr jetzt wichtiger, als sich wegen so einer nervigen und oberflächlichen, dummen Kuh aufzuregen. Ihren Koffer packte sie gar nicht erst aus, sondern klappte ihn auf dem Tisch so aus, dass sie bequem an alle Kleidungsstücke rankam.

Für die verschwitzten, hatte sie einen extra Beutel, den sie sich als Erstes aus der Tasche zog, um ihre Sportkleidung loszuwerden. Nach einer ausgiebigen Dusche rief sie direkt Kate an, um ihr von dem Erlebten zu erzählen.

„Du hast das nicht getan!“ Kate kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. „Doch habe ich! Ich habe die Kamera schon nicht mehr bewusst gesehen und die ging mir echt einfach zu weit! Ich wollte mich ja erklären, aber wenn sie mir mit ihrem Mist ins Wort fällt, Pech.“ Während Kate vor sich hin japste, zog Melissa ein Teil nach dem anderen aus ihrem Koffer, um sich ein Outfit zusammenzustellen. Sie hatte ausschließlich neue Klamotten dabei und außer der *passen die überhaupt* Trageprobe, noch nicht weiter damit ausprobiert, was zusammenpasst. „Und wie sind die anderen so? Ich meine, den Herren Sporttrainer hast du ja schon ‘beeindruckt‘.“ „Du kannst froh sein, dass du am Telefon und nicht im Raum bist. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, ich werde sie heute erst etwas besser kennenlernen. Wir treffen uns gleich zum Mittagessen. Alles in allem werde ich mir ein paar Tage Zeit geben, um sie zu Beurteilen.“ „Außer die Jones?“ „Außer die Jones!“, waren sich die Freundinnen einig.

In einem Knie langen Stretch Rock in Bordeaux und einer schwarzen Bluse, stand sie vor dem Spiegel. „Nicht schön, aber selten!“ Eine große Gold-schwarze Statement Kette, legte sich um ihren Hals und baumelte auf ihrem Bauch. Ihre schwarzen Sneaker, passten ganz gut dazu, denn Absätze waren einfach nicht ihr Fall. Für die war sie zu groß und zu schwer. Die langen schokobraun getönten Haare, ließ sie diesmal über ihren Schultern liegen, statt sie in eine Klammer zu zwingen. Die Wimpern klebten noch gut an ihren eigenen und mit einem getönten, Lippenpflegestift, brachte sie etwas Farbe in ihr Gesicht. Mit dem Smartphone machte sie im Badezimmer noch ein Foto für Kate und sich, nach deren ok, mit einer Handtasche und ihrem Notizbuch auf dem Weg zum Wagen. >> Viel Spaß und melde dich heute Abend bei mir! Kate<< Melissa schmunzelte. Ihre Freundin war wirklich immer für sie da, auch wenn sie verdammt neugierig war.

Im Diner war sie die erste, aber das war durchaus okay, denn so konnte sie sich die Karte vorab ansehen und entscheiden, was sie essen würde und konnte. Wie es typisch für amerikanische Diner war, war das meiste überfüllt mit überflüssigen Kalorien, Kohlenhydraten Zucker und Fett.

„Bei dem Salat müsste das Dressing getauscht werden, die können sicherlich auch ohne Zucker arbeiten. Fisch haben sie natürlich nicht, aber Schrimps, das ist doch wenigstens etwas.“ Sie murmelte vor sich hin und bemerkte nicht, wie sich jemand neben sie setzte. „Also ich empfehle das vegetarische Gericht, da kann man sich ohne Probleme noch ein Steak oder die Schrimps dazu braten lassen.“ Kurz zuckte sie zusammen und sah dann zu ihrer rechten. „Herrgott, musst du mich so erschrecken? Das gehört nicht zu meinem Vertrag und alles was Gesundheitlich nicht gut ist, ist untersagt!“ Grinsend sah sie ihren Trainer an. Ein tiefes Lachen gurgelte aus seiner Kehle. „Okay, Punkt für dich! Ich werde mich bemühen dich in Zukunft nicht mehr zu erschrecken. Ich quäle dich lieber!“ Scharf sog sie die Luft ein. „Erinnere mich nicht dran, ich hasse dich sonst jetzt schon!“ Schmunzelnd nahm er seinen Kaffee entgegen. „Ich denke damit werde ich in Zukunft leben müssen. Gab es noch ärger?“ Melissa schüttelte leicht den Kopf. Ihre braunen Längen schoben sich in ihr Gesicht. „Nein, nicht wirklich. Jenna hat mir nur nahegelegt, solche Sachen nicht vor der Kamera anzusprechen. Nur bin ich ehrlich, wenn sie mich angreift, muss sie damit rechnen. Ihr alle übrigens!“

Abwehrend hob er die Hände. „Ich werde mich hüten! Ich will Beleidigungen der netten Art, nur beim Sport hören. Hat Dr. New schon was gesagt oder muss ich mir gleich selbst ein Bild von dir machen?“ Augenrollend legte sie die Karte weg, in die sie die ganze Zeit gesehen hatte, um Augenkontakt zu vermeiden, so war sie mutiger. „Er bringt dir sicherlich seine Aufzeichnungen mit. Den Rest bekommst du per E-Mail. Also sagen wir so, mich hat es nun nicht direkt wieder vom Ergometer gehauen, aber begeistert war ich eben so wenig wie er. Ich habe eine gute Knochendichte und optimale Muskelmasse, aber ich trinke zu wenig, da bin ich nicht Mal bei 40% Körperwasser. Der Fettanteil ist, oh Wunder, viel zu hoch. 47% meine ich. Aber das wird er dir ja gleich selbst sagen.“

Chris nickte und nippte an seinem Kaffee. „Ich schätze dich für so Intelligent ein, dass du weder dich noch mich anlügen würdest, deshalb möchte ich das wir immer ehrlich und offen miteinander umgehen, ohne drum herumzureden.“ Melissa sah ihn an und nickte. „Ja bitte, das Umschreiben, geht mir auf den Geist, das muss ich beruflich jeden Tag. Es bringt mir nichts, wenn ich das hier…“ sie nahm etwas ihrer Fettschürze zwischen zwei Finger. „Speckring nennen würde. Es ist nun mal Fett und gefährlich.“ „Dann sind wir uns da ja einig! Dass dein Fettanteil viel zu hoch ist sieht jeder, da kann man auch nichts schönreden! Das Trinken werden wir üben und bei dem Sport, den wir machen, wirst du mehr trinken als jetzt, viel mehr!“ „Du tust es schon wieder.“ Chris wendete sich in ihre Richtung. „Was?“ „Du erinnerst mich an Sport und das ich dich hassen werde.“

„Schön, dass ihr schon da seid, lasst uns an unseren Tisch gehen.“ Jenna tauchte hinter ihnen auf und lief dann auf direktem Wege zum hinteren Teil des Diners. Dort stand ein größerer Tisch, an den sie sich setzte. „Ich habe von Dr. New die E-Mail bekommen, sieht ja gut aus und wird Chris sicherlich gefreut haben!“, grinste sie die beiden an und wischte dann erneut auf ihrem Tablet herum.

„Mich? Wieso?“ Chris setzte sich neugierig neben sie und schaute sich an, was sie ihm zeigte. „Der Belastungstest sieht hervorragend aus, damit kann man arbeiten!“ Sein Grinsen wurde breiter und Melissa in ihrem Stuhl immer kleiner. „Oh bitte bring mich nicht gleich am ersten Tag um!“ Chris und Jenna fingen an zu lachen. „Wann denn sonst? Du gewöhnst dich ja daran und irgendwann wirst du die Übungen von der ersten Woche machen und mich fragen, wann wir mit den Aufwärmübungen aufhören!“ „Das Bezweifle ich noch, aber ich lasse mich gerne überraschen! Wie werden wir das eigentlich machen, wenn ich wieder in Boston bin?“

Schmunzelnd ließ er sich im Stuhl zurück und sah sie sich genau an. „Nun, eigentlich dachte ich ich hätte das Vergnügen dich ein Jahr in meinen vier Wänden zu quälen, aber scheinbar zierst du dich schon, ehe ich angefangen habe.“

Melissa spürte wie die Hitze und Aufregung in ihrem Magen startete. „Wie genau ich es in meinen Plan einwerfen kann, weiß ich noch nicht, aber ich habe Freunde, die mir helfen werden!“ „Das heißt?“ Nun wurde Jenna ebenfalls neugierig. „Meine ehemaligen Kollegen werden mich unterstützen. Je nachdem wer gerade Zeit hat, wird dann zu Melissa fliegen und sie bei ihrem Workout unterstützen und es gegebenenfalls anpassen. Sie wird sich ja unweigerlich steigern. Ich denke, wenn einmal die Woche jemand vorbeisieht, sind wir auf dem richtigen Weg. Du musst mir nur versprechen, dass du mindestens dreimal die Woche meinen Plan verfolgst und es komplett durchziehst! Wenn du es nicht tust, wird es länger dauern, bis du fit genug bist dich zu steigern. Je mehr Sport du machst, umso höher wird dein Kalorienverbrauch. Ergo, du wirst eine 4. Mahlzeit bekommen und du nimmst ab. Wenn du dich selbst belügst, belügst du mich und das wollten wir nicht.“ Schnaufend sah Melissa Chris an und nickte. „Diese Motivation, die gerade durch meinen Körper fließt, herrlich!“, sagte sie sarkastisch und schmunzelte.

Die Kellnerin sah die drei lachenden Personen und schüttelte den Kopf. Das bekam sie hier eher selten zu Gesicht. Die meisten die hier hereinkamen, bestellten, aßen und verschwanden wieder. Erneut öffnete sich die Tür und zwei Männer betraten das Diner, die sich ebenfalls an den Tisch begaben. Dr. Newman und Dr. Peterson, setzten sich auf die freien Plätze und legten ihre Mappen vor sich. „Schön, dass Sie da sind, dann können wir ja bestellen“, schaute Jenna kurz und nahm sich dann die Speisekarte. „Kommt Miss Jones nicht?“ Dr. New fuhr sich durch die Haare und nahm sich dann ebenfalls eine Karte. „Nein, sie möchte im Catering essen!“ Jenna schien amüsiert. Mit leichter Schamesröte im Gesicht, sah Melissa in die Runde und schnappte sich dann ebenfalls eine der Karten, um sich dahinter zu verstecken.

Wie Chris empfohlen hatte, suchte sie sich eines der vegetarischen Gerichte raus und ließ sich dazu Schrimps, ein Wasser und einen ungesüßten Tee bringen.

Das Essen lief entspannter ab als die Runde im Konferenzraum. Also schien Miss Jones tatsächlich einer der Störfaktoren zu sein. Das musste Melissa im Auge behalten. Entschuldigen wollte sie sich auch noch, denn Erziehung hatte sie sehr wohl genossen.

Mit Dr. New verblieb sie dabei, dass er sich melden würde, sobald die Ergebnisse da waren, nur im Ernstfall, bei Schilddrüsen oder Leber Problemen, würde er sie zu einem weiteren Gespräch einladen. Dr. Peterson hingegen wollte sie noch am Nachmittag zum ersten Gespräch treffen, das ebenfalls ohne Kamera stattfand. Sie durften nur das Treffen filmen, darauf hatte der Arzt bestanden. „Wir treffen uns morgen früh zum Sporttest, heute lasse ich dich noch Mal in Ruhe. Es sei denn, du möchtest unbedingt, dann findest du mich später im Hotel Fitnessbereich.“ Chris reichte ihr die Hand und gab ihr die Nummer von dem Prepaid-Handy, das man ihm gegeben hatte. „Sollte etwas sein, was den sportlichen Teil betrifft, kannst du mich dort anrufen, ich werde mich dann um dich kümmern- wenn möglich.“ „Danke! Ich werde es mir überlegen“, griff sie nach der Karte. „Dann sehen wir uns morgen früh.“ Winkend stieg er in den bestellten Wagen und ließ Melissa mit Jenna zurück.

„Muss ich noch etwas wissen?“ Melissa steckte die Karte in ihre Tasche und versuchte die Notizen von Jenna zu lesen. „Dr. Peterson wird dir später alles Wichtige zu den Sitzungen sagen und gegebenenfalls bekommst du da die Nummer seines Büros, um dich mit ihm in Verbindung setzen zu können.“ „Wo ist Jones? Ich schätze das ich um sie nicht herum komme, also werde ich mich entschuldigen und versuchen mit ihr einen Plan zu erstellen. Aber sollte sie mir wieder dumm kommen, schmeiß ich sie aus dem Plan! Und meine Wohnung wird sie ebenfalls nicht betreten, das kann jemand anderes gerne übernehmen.“

>> Gleich erste Sitzung mit Peterson, ich bin gespannt. Melde mich später, Mel<<

Herzklopfen und zitternde Hände, so stand sie vor dem Büro von Dr. Peterson und traute sich keinen weiteren Schritt zu tun. Sie wollte nicht ihr Inneres nach außen kehren, sich vor ihm Seelisch entblößen, aber sie hatte keine andere Wahl, wenn sie dem Drang zu essen, endlich entfliehen wollte. Ein paar Mal holte sie tief Luft, ehe sie an die Tür klopfte. Dumpf drang die Stimme zu ihr durch. „Kommen sie rein!“ Langsam öffnete sie die Tür und lugte mit dem Kopf hinein. Das Kamerateam stand schon bereit und das Licht leuchtete rot. Sie setzte ein Lächeln auf und schritt komplett in den Raum, um die Tür wieder schließen zu können. „Miss Keller, schön, dass Sie da sind. Wir werden uns heute mit einem kurzen Gespräch etwas Kennenlernen und dann in Zukunft, einmal die Woche, zu einem Termin treffen.“ Er reichte ihr seine raue Hand, mit den langen Fingern. Sein gestutzter Bart umrahmte das Lächeln, welches er ihr, wahrscheinlich für die Kamera, schenkte. „Hallo Dr. Peterson, ich freue mich auch, bin allerdings etwas nervös, ich hatte solche Gespräche noch nicht.“ Nach einem Harmlosen Geplänkel, bat er die Kamera nach draußen, um mit ihr unter vier Augen sprechen zu können. „Miss Keller, darf ich Sie Melissa nennen?“ Freundlich nickend befürwortete sie seine Anfrage.

„Also, Melissa. In diesem Projekt werden die Gespräche größtenteils mitgefilmt, das hatte man denke ich schon angesprochen. Allerdings verstehen viele ebenfalls darunter, dass sie ihre Therapie Sitzungen, anders als für meinen Beruf wichtig, öffentlich machen. Da möchte ich dich beruhigen! Ich unterliege der Schweigepflicht und werde nichts von dem, was wir hier besprechen, nach außen dringen lassen! Das, was wir im Fernsehen zeigen, sind abgesprochene Szenen. Heißt, alles wird freiwillig von den Kandidaten erzählt.“ Überrascht lehnte sie sich zurück und sah ihn an. „Das heißt Mr Gibson wollte mich hinterrücks dazu bringen auf die Tränendrüse zu drücken und Einschaltquoten zu bringen?“ „Sagen wir so, je schlimmer das Leben des Kandidaten, umso mehr Presse.“ „Das tut mir aber leid! Denn ich habe nicht vor, die beste Presse zu bekommen. Ich meine das hier ernst und möchte, dass man mir hilft!“ „Ich werde dir helfen Melissa. Die Stunden werden wir nutzen, um uns zu unterhalten, dem inneren Druck auf die Spur zu kommen. Ich möchte dich begleiten und wenn du reden möchtest, werde ich da sein. Du musst mir Vertrauen, damit das funktioniert!“ Melissa war sehr unsicher, auch wenn sie es immer wieder zu überspielen versuchte. Ihm würde sie auch am wenigsten vormachen können. „Ich habe übrigens deine Notizen heute Morgen mitgenommen, die hattest du im Konferenzraum liegen lassen.“ Er schob die losen Blätter über seinen Schreibtisch. „Das du versuchst aufzuschreiben, wie es dir um eine Attacke herum geht, finde ich einen sehr guten Ansatz. Hast du Mal versucht, es zu sagen?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe diese Attacken meistens in den Situationen, in denen ich nicht auf ein Tonband sprechen kann. So wie heute Morgen, sind es Kleinigkeiten, die mich aus der Spur kommen lassen.“

„Ich verstehe. Versuch doch Mal, das was passiert ist und deine Lösung, danach in Worte zu fassen. Direkt im Anschluss an so eine Attacke. Da ist es egal, ob du ihr nachgekommen bist oder nicht. Es geht allein darum, was du dir gefühlsmäßig behalten hast und wie ehrlich du zu dir selbst bist. Ich möchte es unterstützend zu unseren Gesprächen verwenden. Dadurch lernen wir beide mehr über dich.“ Er tippte auf seiner Tastatur herum und sah über seine Brille hinweg, auf den Bildschirm. „Ich stelle dir ein Rezept aus. Das sind pflanzliche Mittel und beruhigen. Sollte es dir in einer unmöglichen Situation so ergehen, kannst du versuchen es damit zu unterbinden. Für die Tonaufnahmen kannst du dein Smartphone benutzen oder ich gebe dir ein Gerät mit.“

„Danke Doc! Ich werde es erst mit meinem Telefon versuchen. Und wie ist das nun mit der Kamera?“ „Wir werden immer einen extra Tag haben an dem gefilmt wird. An diesen findet kein wirkliches Gespräch statt. Wir können also vorher absprechen, über was wir reden. Zum Beispiel über die Essstörung, wie sie sich zeigt, was passiert und so weiter. Alles, was du für zu persönlich hältst, musst du nicht erzählen, versprochen!“ Erleichtert atmete sie aus und lächelte das erste Mal, seit sie in seinem Büro saß. „Wenn ich wieder in Boston bin, kommen sie dann zu mir?“ „Ich denke, das wäre das einfachste. Wenn du deinen Trainingsplan hast, werden wir unsere Gespräche dazu anpassen. Wenn du dann zum Beispiel in Davenport bist, würde ich dort hinkommen.“ „Das hört sich nach einem Plan an. Dann würde ich sagen, treffen wir uns morgen, zu unserem ersten, richtigen Gespräch!“ Dr. Peterson nickte und reichte ihr seine Hand. „Bis morgen Melissa und nun genieß‘ etwas die Stadt, morgen wirds anstrengend.“

Nach dem anschließenden Termin bei Alexandra Jones, das wider Erwarten unmöglich gewesen war, kämpfte Melissa damit keine Attacke zu bekommen. Sie konnte und wollte nicht schon am ersten, nicht Mal wirklich offiziellen Tag schwächeln und in alte Muster zurückfallen.

Vom Fahrer ließ sie sich zu einem Park bringen, in dem sie erst Mal eine halbe Stunde spazieren ging, um den Kopf freizubekommen. Bevor sie zum Wagen zurücklief, setzte sie sich auf eine Bank und schaute auf das, was vor ihr lag. Zwischen all dem Grün, den Hunden und Menschen, dachte sie darüber nach wie schwer die Wochen, nein das Jahr, werden würden. Nicht nur dass sie sich von ihrem Schmerz stiller, dem Essen verabschieden musste, sie musste auch noch Sport treiben. Ihr würden die Knochen und Muskeln weh tun, sie würde heulend zusammenbrechen und sich im Fernsehen und vor ihrem Coach blamieren. Sport, das war einfach etwas, das kannte sie und machte sie in Maßen, aber so wie sie es tun müsste, hielt sie es keine 10 Minuten aus. Es tat weh, es nahm ihr die Luft und vieles schaffte sie einfach nicht, egal wie sehr sie sich auch anstrengte. Sie hatte Angst, dass Chris es nicht verstehen und sie anbrüllen würde. Nein, brüllen würde er nicht, das konnte sie sich nicht vorstellen, aber er würde sie immer weiter antreiben und ihr nicht glauben, dass sie es nicht konnte. Sie würden streiten und sie würde heulend davonlaufen. Schnaufend saß sie da und hoffte, dass diese Szenerie niemals eintreten würde.

Neben ihr erschien plötzlich ein Schatten. Sie ignorierte es, da sie hier niemand kannte. „Darf ich?“ Melissa kannte die Stimme, die hatte sie heute schon gehört. Sie sah an dem Schatten entlang und blickte in die hellen Augen von Will.

„Äh, ja klar.“ Mit einem Lächeln auf den Lippe, setzte er sich neben sie. „Hast du dir etwas unseren Park angesehen?“ Nickend schaute sie wieder vor sich. „Ja, ich musste einfach Mal den Kopf frei kriegen. Die Jones macht mich wahnsinnig!“ Das Lachen gluckste in seinem Hals, aber er versuchte es sich zu verkneifen. „Sie ist nicht einfach, aber ich denke sie möchte nur das Beste für die Kandidaten. Keine Ahnung.“ „Will, ganz ehrlich. Zwischen das Beste wollen und Dicke Menschen von oben herab behandeln, liegen Welten! Ich habe ihr gesagt, dass es keine Besichtigung in meiner Wohnung geben wird, da ich keine Kamera in mein Appartement lasse! Sie hat es wieder Mal persönlich genommen und mir nicht mal indirekt, sondern direkt unterstellt, dass ich Essen bunkern würde. Ist diese Frau direkt von der Grundschule? Die kann niemals studiert haben!“ Nun musste er doch lachen und legte dann seine Unterarme auf den Beinen ab. „Ich habe keine Ahnung, ich gehöre nur zum Kamera Team. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass du Essen Bunkern oder dich nicht an den Plan halten würdest! Das was ich mitbekommen habe zeigt doch, dass du das Schaffen möchtest. Ich bewundere das!“

Melissa sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an. „Bewundern? Was zum Teufel gibt es da zu bewundern?“ Sein Blick wechselte immer wieder zwischen ihr, dem Park und dem Boden. „Na ja, du möchtest an dir Arbeiten und etwas verändern. Das Ganze im Fernsehen. Den Mut muss man erst Mal aufbringen! Ich finde ja, dass du das alles nicht nötig hättest, aber ich denke, wenn du wirklich so viel an Gewicht verlieren willst, brauchst du Cooper und auch Doc Peterson!“ Melissas Augen wurden immer kleiner. War das ein versuch sie an zu flirten? Wollte er sie manipulieren? Was hatte er vor? „Ich habe mir das selbst angetan und ich leide darunter! Also muss ich auch selbst etwas tun und nicht den Weg über eine Magen OP gehen! Egal wie sehr ich heulen und Chris hassen werde, ich muss da durch!“ „Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg! Ich werde ja oft dabei sein, dank meines Jobs. Ich hoffe du wirst es nicht bereuen.“ Nun sah sie ihm direkt in die Augen. Ein leichtes Funkeln konnte sie dort wahrnehmen. „Danke!“ „Soll ich dich zum Wagen bringen? Der Tag war lang.“ Gemeinsam gingen sie zu dem dunklen Auto. Melissa verabschiedete sich und sah ihm nach, als der Fahrer die Straße entlangfuhr.

Auf ihrem Zimmer schmiss sie sich direkt in ihre Sportkleidung, sie musste noch etwas Wut rauslassen und das ging am besten beim Sport. Sie machte freiwillig Sport, oh man, es schien schon zu wirken. Die Angst ihren Coach zu enttäuschen.

Mit ihren Kopfhörern in den Ohren, den langen Haaren in einem Zopf und dem Handy für die Musik in der Hand, schlenderte sie durch das Hotel und fand auch direkt den Raum. Zuerst schnappte sie sich zwei kleine Gewichte und stellte sich das Laufband ein. Zum Aufwärmen etwas Walken und dann ab an den Boxsack. Musik an, Hanteln in die Hand und los ging es. 20 Minuten schnelles gehen mit den 2 kg Gewichten pro Hand in schwingenden Bewegungen, das brachte die müden Muskeln in Fahrt. Auf den Ohren hatte sie einen Mix aus allem was in Deutschland in den Charts war. Die American Billboard Charts, waren eindeutig nichts für sie. Einzig die Rockigen Sachen hielten sich in etwa gleich.

Das Laufband stoppte und Melissa schnappte sich direkt ihre Wasserflasche. Chris hatte recht, mit dem Sport würde sie nicht nur eine Menge Wasser verlieren, sondern auch sehr viel trinken. Mit geübten Griffen Tapte sie sich die Hände und schlüpfte in die Boxhandschuhe. Leider fand sie keinen Trainer, der sie zuband, daher versuchte sie es so. Die Musik beschallte ihre Gedanken, die Wut rutschte über ihre Arme und Hände, direkt in den Sandsack, der sich nur minimal bewegte. Sie hatte einfach keine Kraft, das wusste sie, aber zumindest hatte sie nun ein Ventil, statt dem Essen. Sie drosch eine halbe Ewigkeit auf diesen Sack ein und irgendwann merkte sie nicht Mal mehr was um sie herum passierte, wie sehr sie das Leder malträtierte und das der Sack sich keinen Millimeter mehr bewegte. Nach dem letzten Schlag, in den sie laut hinein brüllte, sah sie wie sich ein Kopf seitlich in ihren Blick senkte. „Chris?“ Schwer außer Atem sah sie ihn an und zog an ihren Handschuhen, um etwas trinken zu können. „Wie lang bist du schon hier?“ Mit Schwung hüpfte er auf den Würfel, der neben ihm stand. „Ich glaube du bist noch 5 Minuten um dein Leben gelaufen als ich reinkam. Ich habe dahinten trainiert, an den Geräten. Aber als du wie von Sinnen auf den armen, wehrlosen Sack eingeprügelt hast, dachte ich, ich muss Mal nach dir sehen. Nicht das du hier einen Herzschlag bekommst!“ Seine dunklen Augen leuchteten und sein freches Grinsen, entlockte Melissa ein erschöpftes Lachen. „Ach ich musste da etwas Wut rauslassen. Sei Stolz, normalerweise würde ich jetzt eine Tüte voller Junk-Food in mein Zimmer schleppen und mich ins Koma fressen!“ Chris schüttelte mit dem Kopf. „Loben würde ich nicht sagen. Ich bin stolz auf dich das du widerstanden und lieber Sport gemacht hast, aber Loben? Lob bekommst du, wenn du es verinnerlicht hast, wenn du es aus Überzeugung machst. Heute hast du noch Willen und Motivation dazu. Lass erst Mal ein paar Tage oder Wochen vergehen, dann sprechen wir uns wieder. Denn dann wirst du nicht so schnell zu der Entscheidung kommen, dass Sport die bessere Lösung ist!“ Beinahe wäre ihr der Mund offen stehen geblieben, damit hatte sie nun nicht gerechnet. Ein kratzendes „Okay!“, mehr brachte sie nicht hervor. Er sah ihr an, dass sie das nicht wirklich Verstand, aber er war ein Freund ehrlicher und direkter Worte. „Es bringt dir nichts, wenn ich dir den Hintern Puder! Was glaubst du, du wird passieren, wenn mein Kumpel Jon auftaucht? Der kennt wirklich keinen Spaß. Ich sehe es als Wettkampf. Du gegen mich. Aber er, er wird dir noch ehrlicher sagen, was Sache ist!“ Nun musste sie sich setzen. Mit einem kräftigen Schubser schob sie Chris von dem Würfel.

„Hee, ganz schön frech!“ Sie grinste und legte die Arme ineinander. „Du hast dich für ein Jahr verpflichtet!“ „Ah, erinnre mich nicht dran!“ Schmunzelnd sahen sie sich an. „Wer ist Jon und wie sehr wird er mir weh tun?“, wurde sie wieder Ernst. „Er ist auch ehemaliger Wrestler. Nur das er freiwillig gegangen ist. Er war ebenso wie die anderen die mich Unterstützen werden, interessiert an dieser Idee. Und da er derzeit pausiert, hat er Zeit. Aber er wird dir nicht wirklich weh tun, er wird dich antreiben und er wird verdammt ehrlich sein. Also arbeite an deiner Gegenwehr, das darfst du nicht zu sehr an dich heranlassen.“

„Kommen da noch mehr? Du willst mich fertig machen, kann das sein? Ich bereue es schon.“ „Wir wollen dir helfen und dazu gehört es, dass ich dich fertig mache, sonst könntest du auch in ein 0815 Studio gehen!“ „Ich hasse dich jetzt schon. Du hast recht und du willst mich mit Vorliebe fertig machen, mit Hilfe sogar.“ Sie stand auf und sah ihm direkt in die Augen. Er war gerade Mal 3 cm größer als sie. „Aber ich werde es dir Heimzahlen, nächstes Jahr!“ Mit einem fetten grinsen hielt sie seinem Blick stand. „Okay, dann bin ich Mal gespannt!“ Melissas Handy piepte und riss sie aus seinen Augen. „Ich glaube meine Beste kann nicht mehr länger warten. Ich muss Meldung machen!“ Sie wedelte mit dem Smartphone und ging an ihm vorbei. „Wir sehen uns Morgen um 8 hier wieder.“ Melissa blieb kurz stehen und drehte sich noch Mal zu ihm. „8 Uhr?“ Sein Nicken verriet, das sie sich nicht verhört hatte. „Und Frühstück?“ „Erst Sport! Dann ein Eiweißreiches Frühstück und du bekommst einen Kaffee.“ Sie schnaubte aus. „Okay, dann wirst du der erste sein den ich sehe nachdem ich aufgestanden bin, hat was!“, drehte sie sich wieder um und verschwand im Gang. Chris blieb kopfschüttelnd und lachend zurück. Mit ihr würde er definitiv seinen Spaß haben.

>> War beim Sport, gehe kurz Duschen und melde mich dann. Mel<<

 >> Sport? Ach du meine Güte, hat er schon so schnellen Erfolg? Ich glaube ich muss mir den Mal genauer ansehen. 😀 <<

>> Eher Wut auf die Jones! Aber Chris wird mich antreiben und Leiden lassen!<<

>> Gegen treiben hat niemand was.. lol <<

>> Blöde Kuh!<<

Nach einer entspannenden Dusche steckte sie ihre Sportkleidung in den Sack für die Reinigung und ließ diesen Abholen. Sie hatte zwar noch Kleidung mit, aber zum einen wusste sie nicht wie oft sie sich im Fitnessbereich noch herumtreiben würde und zum anderen wollte sie keine riechende Kleidung zwischen die saubere legen.

„Und wie wars? Was hat die Jones wieder getan? Und was will Chris tun?“ Melissa hörte das Kate sich eine Tüte Chips auf den Schoß gestellt hatte. „Du bist mir vielleicht eine Freundin! Du müsstest mich eigentlich unterstützen und nicht genau das futtern, was mir immer zum Verhängnis wird!“ „Nö, du musst das abkönnen! Außerdem habe ich da so eine Lust drauf, da ist mir das was du mir aus Philadelphia androhst so was von egal!“ Ein lautes Kichern kam durchs Telefon. „Zum Glück habe ich den Lautsprecher an. Die Jones hat mir einen groben Plan ausgehändigt. Einkaufsliste und Lebensmittel die gut für mich wären. Dazu ein paar Rezepte. So weit, so gut. Dann fing sie an, nach einem Termin zu suchen. Ich habe alle abgelehnt. Zum einen, weil sie mir nicht gesagt hat warum sie den wollte und zum anderen, hatte ich ja am Morgen schon gesagt das die Termine mit Doc und Chris wichtiger sind.“ „Und was hat sie gesagt?“ Kate hielt es kaum mehr aus. „Nun ja, sie zickte irgendwann herum, warum ich keinen der Termine annehmen würde, schließlich müsse sie sich ja meinen Kühlschrank und die Vorräte ansehen.“ „Hat sie nicht!“ „Doch hat sie! Ich habe sie dann freundlich darauf hingewiesen, dass ich keine Vorräte habe und mein Kühlschrank sie nichts angeht. Es wird kein Kamera Team in meine Wohnung kommen, da ich im Fernsehen nicht zeigen will, wo und wie ich lebe!“ Sie hat dann ein paar Mal nach Luft geschnappt und dann gings auch schon los.“ Kate schob sie hörbar den Mund mit Chips voll und brummte. „Mhhmmm.“ „Miss Keller, wenn sie dieses Programm mitmachen möchten, dann müssen sie sich an die Ernährungspläne halten. Woher soll ich wissen, dass sie sich an das Halten was ich ihnen mitgebe?“ „Und das in einem Tonfall, der war wirklich ätzend!“, erzählte Melissa weiter. „Ich habe sie dann gefragt, ob sie mich für dumm und gefräßig hält. Wenn ich mich mit Essen vollstopfe, wird es Dr. New und auch Chris direkt merken. Außerdem wird es mir nichts bringen! Ich weiß was ich einkaufen muss! Ich habe ihre Rezepte auf den Tisch gelegt und gesagt die würde ich nicht nachmachen, da ich das meiste davon nicht Mal esse, was da reinkommt! Und wenn ich Mal Lust auf etwas Süßes habe, dann gönne ich mir dunkle Schokolade. Ich weiß, wo ich gute und sehr dunkle bekomme. Dafür habe ich mein Sportprogramm! Sie könne mir gerne weitere Vorlagen mitgeben und sich ab und an, wenn ich hier bin, mit mir besprechen, aber das war’s auch schon!“ „Melissa in Action! Und daraufhin hat sie dich rausgeschmissen?“ „Sie hat mich spüren lassen, dass ich die fette bin die Hilfe braucht und nicht sie. Ich habe sie gefragt, warum sie das macht, wenn sie so ein Problem mit Fettleibigkeit hat. Kam nur der typische Satz; „mit einem Kuschelkurs lernt man es nicht!“ Also alles eine Frage des Geldes!“ Kate kicherte unentwegt und bewunderte Melissas stärke. „Und du dachtest, du würdest untergehen! Dabei hast du die Kontrolle über das, was du willst.“ Melissa war fertig mit anziehen und ließ sich auf ihr Bett fallen. „Kontrolle habe ich keine, noch hat der Spaß nicht angefangen! Morgen früh um 8 Uhr Sport mit Chris und dem TV-Team. Ich habe noch nicht Mal angefangen und schon keine Lust mehr! Mir würde es ausreichen, wenn ich mit dem Doc reden und ab und zu mit Chris Sport machen könnte.

Ach Kate, ich weiß nicht, ob das so gut war!“

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